08.06.2026
Neue Publikation: Responding to Crises in Europe
Der Campus Tivoli freut sich, an einer gemeinsamen Publikation mitgewirkt zu haben, die in Kooperation mit TOPAZ, dem Brüsseler Think Tank Wilfried Martens Centre for European Studies sowie dem litauischen Institut für Europäisches Recht entstanden ist. Der Band mit dem Titel Responding to Crises in Europe versammelt Analysen, die in einer Phase tiefgreifender Erschütterungen der europäischen Sicherheitsarchitektur entstanden sind – und die Frage stellen, wie Europa auf Krisen antwortet, die nicht nur militärischer, sondern auch institutioneller, gesellschaftlicher und demokratischer Natur sind.

Ein Band für eine Zeit des Umbruchs
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat seit Februar 2022 nicht nur die Grundlagen konventioneller militärischer Abschreckung verändert, sondern auch strukturelle Schwachstellen sichtbar gemacht, die sich über drei Jahrzehnte in demokratischen Institutionen, wirtschaftlichen Lieferketten, Informationsräumen und den Strukturen internationaler Zusammenarbeit aufgebaut hatten. Die Beiträge stammen von Autorinnen und Autoren unterschiedlicher disziplinärer und nationaler Hintergründe – und doch zieht sich ein gemeinsamer Gedanke durch alle Kapitel: Die europäische Antwort auf diese Krise wird nicht allein durch militärische Kapazitäten bestimmt, sondern vor allem durch die Qualität demokratischer Führung und gesellschaftlicher Resilienz auf allen politischen Ebenen.
Drei Themenfelder, ein gemeinsamer Anspruch
Die Publikation ist um drei eng miteinander verwobene Themenfelder organisiert: die Eindämmung russischer Aggression durch anhaltende internationale Zusammenarbeit in militärischer, wirtschaftlicher, digitaler und diplomatischer Hinsicht; die innere Dimension demokratischer Widerstandsfähigkeit gegenüber hybriden Bedrohungen, Informationsmanipulation und politischer Normenerosion; sowie die Frage von Wiederaufbau und Integration – wie die Ukraine und ihre Zivilgesellschaft aus diesem Krieg hervorgehen können, ohne die demokratischen Errungenschaften seit dem Maidan-Aufstand 2014 preiszugeben.
Österreichs Neutralität im Spannungsfeld europäischer Sicherheit
Ein besonderes Highlight des Bandes stellt der Beitrag Neutrality and Security von ehemaligem österreichischen Verteidigungsminister Werner Fasslabend und Christoph Schwarz dar. Das Kapitel beleuchtet Österreichs Politik der immerwährenden Neutralität – von ihren Ursprüngen im Kalten Krieg bis zu ihrer heutigen Spannung mit den Anforderungen europäischer Sicherheitsstrukturen. Die Autoren argumentieren, dass die eigentliche Herausforderung nicht in der Frage liege, ob Österreich seine Neutralität aufgeben solle, sondern wie diese glaubwürdig mit einer aktiven, solidarischen Rolle in der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik in Einklang gebracht werden könne.
Demokratische Resilienz – und ihre Grenzen
Der Band dokumentiert zudem bemerkenswerte Beispiele demokratischer Resilienz – in ukrainischen Kommunen, moldauischen Wahlbehörden, den baltischen Staaten mit ihrer langen Erfahrung im Umgang mit hybrider Kriegsführung sowie den nordischen Ländern mit ihren institutionalisierten Modellen der Gesamtverteidigung. Zugleich mahnen die Analysen, dass diese Errungenschaften fragil bleiben – und benennen klar die Kosten strategischer Versäumnisse: die diplomatischen Brüche vor 2022, die demokratische Erosion in den Vereinigten Staaten mit direkten Auswirkungen auf Europa sowie fortbestehende Defizite in Europas kollektiver Handlungsfähigkeit. Der Band ist ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, dass Europa auch in Zeiten größter Herausforderungen über die intellektuellen Ressourcen, den politischen Willen und die zivilgesellschaftliche Kraft verfügt, gemeinsam Antworten zu finden.
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