“Trotzdem JA zum Leben sagen – Mit Sinn und Verantwortung durch Krisen

Am 25. März 2025 fand anlässlich des 120. Geburtstags von Viktor Frankl die Veranstaltung “Trotzdem JA zum Leben sagen – Mit Sinn und Verantwortung durch Krisen” statt.

Viktor Frankl war ein bedeutender österreichischer Neurologe, Psychiater und Begründer der Logotherapie. Seine Philosophie betont die Bedeutung von Sinn im Leben und die Freiheit des Menschen, trotz widriger Umstände eine positive Haltung zu bewahren. Sein Werk hat Generationen inspiriert und bleibt auch heute von großer Relevanz.

Rund 200 Besucherinnen und Besucher nahmen an der Veranstaltung teil und zeigten großes Interesse an den Themen des Abends. Die zentrale Botschaft war klar: Von Viktor Frankls Wissen und Lehren können wir und kommende Generationen viel lernen. Frankl betonte, dass jede Person frei und einzigartig sei und einen besonderen Beitrag leisten kann. Um das große Puzzle des Lebens zu vervollständigen, brauchen wir jeden Einzelnen. Dabei sei es essenziell, dass jeder Mensch sich dieser Bedeutung bewusst ist – denn das Selbstbild prägt das Menschenbild, und dieses wiederum das Weltbild.

Zu Beginn betonte Wolfgang Sobotka, Präsident des Campus Tivoli, dass wenige von uns solch eine Krise durchstehen mussten wie Viktor Frankl während der Schoa. Er verwies auf Frankls bedeutende Rathausrede. In der Rede hob Frankl hervor, dass nicht primär die Schuld im Mittelpunkt stehen solle, sondern vielmehr das Bewusstsein für unsere Verantwortung – und die Verpflichtung, unserem Lebenswerk gerecht zu werden.

Nationalratsabgeordnete Gudrun Kugler moderierte die Veranstaltung und betonte einleitend drei Aspekte aus Frankls Lehre, die für die Politik relevant seien. Erstens, das über-sich-selbst Hinauswachsen zur Förderung des Gemeinwohls, zweitens die Verantwortungsübernahme des eigenen Handelns und drittens, die Freiheit des Willens. Gerade Viktor Frankl habe mit seinen Erfahrungen während der Schoa eindrucksvoll vermittelt, dass der Mensch selbst unter extremsten Bedingungen Wahlmöglichkeiten behalte – nämlich die Freiheit, zu entscheiden, wie er dem Unvermeidlichen begegnet.

Bei der Veranstaltung anwesend, war unter anderem der Enkelsohn von Viktor Frankl, Alexander Vesely. Er erzählte persönliche Geschichten von ihm und seinem Großvater. Er betonte, dass er sich noch gut an seinen Großvater erinnern könne und oft an seine Botschaften und sein Wissen zurückdenken würde.

Elisabeth Lukas, eine ehemalige Schülerin von Viktor Frankl, sandte der Veranstaltung eine Videobotschaft. In dieser gab sie einen wertvollen Einblick in die Psychotherapie und insbesondere in die Logotherapie. Die Logotherapie, von Frankl begründet, fokussiert sich darauf, dass der Mensch trotz schwieriger Umstände Sinn im Leben finden kann. Sie stellt die Sinnsuche in den Mittelpunkt und zeigt Wege auf, wie Menschen durch die Erkenntnis ihres individuellen Lebenssinns innere Stärke und Orientierung gewinnen können.

Siegfried Kasper, ehemaliger Professor für Psychiatrie der MedUni Wien, berichtete von seinen einzigartigen Begegnungen mit Viktor Frankl – und das über die Grenzen von Österreich hinweg. Er schilderte, wie Frankls Einfluss in anderen Kontinenten bereits viel früher Anerkennung fand und dass er dankbar darüber sei, dass Frankl nun auch in Österreich die Wertschätzung erhält, die ihm zusteht.

Harald Mori, persönlicher Assistent von Viktor Frankl und selbst Psychotherapeut, rezitierte berührende Passagen aus Frankls Werk “Trotzdem JA zum Leben sagen”. Seine inspirierende Lesung gab den Zuhörern einen tiefen Einblick in das Buch und in das Leben von Viktor Frankl.

Den krönenden Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion mit Stefan Salzer (Head of HR bei Red Bull), Johanna Schechner (Gründerin des Viktor-Frankl-Zentrums Wien), Harald Mori und Gottfried Kranz (Neurologe). Die zentrale Leitfrage war: Was ist Ihre wichtigste Botschaft aus den Lehren von Viktor Frankl und wo wenden Sie diese noch an? Die Diskussion bot spannende Einblicke in die persönliche und berufliche Anwendung von Frankls Philosophie. Unter anderem berichtete Johanna Schechner, wie bei Schülerinnenworkshops Jugendliche ihren Selbstwert stärkten und Hoffnung fanden, ihre Herausforderungen zu überwinden. Stefan Salzer betonte, wie Sinnstiftend es für Mitarbeiter sei, wenn ihnen Freiheit aber auch die damit verbundene Verantwortung zugemutet werde. Gottfried Kranz berichtete aus der Neurologie wie neue Erkenntnisse der Neuroplastizität beweisen würden, was Viktor Frankl schon vor Jahren gesagt hatte: „Man muss sich nicht von sich selbst alles gefallen lassen“. Man habe Eigeninitiative darüber, wie sich sein Gehirn entwickelt. Harald Mori erzählte die berührende Geschichte eines Mannes, der in einer schweren Zeit – beim Verlust eines nahestehenden Menschen – von Viktor Frankl begleitet wurde. Diese einfühlsame Unterstützung prägte ihn tief und zeigte, was für ein Vorbild Viktor Frankl war.

Durch die inspirierenden Beiträge der Rednerinnen und Redner konnten zahlreiche Eindrücke aus dem Leben und Wirken von Viktor Frankl vermittelt werden. Frankls Philosophie zeigt uns, dass es an jedem Einzelnen liegt, einen wertvollen Beitrag in der Welt zu leisten und dadurch Krisen zu überwinden. Wie Frankl es sagte: „Es kommt nie und nimmer darauf an, was wir vom Leben zu erwarten haben, viel mehr lediglich darauf: was das Leben von uns erwartet.“

Facebook
Twitter
Telegram
WhatsApp
Email

Weitere Themen