02.07.2026
Muslimische Jugend Österreich: Gemeinsam gegen den politischen Islam
Am 29. Juni 2026 präsentierte die Muslimische Jugend Österreich (MJÖ) in Wien ihre bundesweite Bildungsoffensive „Gemeinsam gegen den politischen Islam“. Das Ziel: politischer Islam soll bei jungen Musliminnen und Muslimen keinen Boden finden, und die Gegenstimme dazu kommt aus der Community selbst. Präsident Wolfgang Sobotka saß am Podium und sicherte der Initiative die Unterstützung des Campus Tivoli zu.

TikTok-Prediger statt Orientierung
MJÖ-Vorstandsmitglied Cemile Atasoy beschrieb, wo das Problem beginnt: Selbst ernannte „TikTok-Prediger“ und „Pseudo-Scheichs“ überschwemmen Jugendliche auf Social Media mit verfassungsfeindlichen, extremistischen und frauenfeindlichen Inhalten. Diese Botschaften wirken nicht, weil sie richtig sind, sondern weil sie einfach erscheinen. Das passiert genau dort, wo junge Menschen nach Orientierung suchen. Die MJÖ will dem eine muslimische Stimme entgegensetzen, die aus der Community kommt und dort auch gehört wird.
Bildungsoffensive gegen politischen Islam
Bildungsreferentin Esma Gürsoy-Kacar machte deutlich, was es dafür braucht: eine zeitgemäße Lesart der Quellen, die den Ansprüchen einer pluralen Demokratie des 21. Jahrhunderts gerecht wird. Am Ende der Offensive steht eine wissenschaftliche und theologische Schriftenreihe, die der Ideologie des politischen Islams argumentativ „den Boden entzieht“. Die Kernbotschaft ist klar: Demokratie ist kein Widerspruch zum Glauben. Gleichstellung, Rechtsstaatlichkeit, liberale Werte und Menschenrechte sind nicht verhandelbar.
Sobotka: Liberale muslimische Stimmen stärken
Für Sobotka steht fest: Wo die liberale, demokratische Gesellschaft bedroht ist, muss man dagegen auftreten. Entscheidend sei, jungen Musliminnen und Muslimen aus der eigenen Community heraus zu vermitteln, dass sie gleichzeitig gläubig und Österreicherinnen und Österreicher sein können und den Rechtsstaat in all seinen Formen akzeptieren. Der Islam ist in Österreich seit 1912 eine anerkannte Religionsgemeinschaft, und die muslimische Gesellschaft sei „viel größer, bunter und diverser, als wir es uns vorstellen“. Liberale muslimische Stimmen müssten deshalb ermutigt werden, sich zu Wort zu melden.
Ein Brückenschlag mit Wirkung
Für den Campus Tivoli ist das Engagement kein Einzelauftritt. Der politische Islam ist einer unserer thematischen Dauerschwerpunkte, und wir betreuen dazu mehrere Forschungsprojekte. Erst im Mai haben Präsident Sobotka und Dr. Nicolas Stockhammer unser Policy Paper „Politischer Islam in Österreich“ präsentiert. Die Zusammenarbeit mit der MJÖ schlägt nun eine Brücke zu einem zivilgesellschaftlichen Partner, dessen Glaubwürdigkeit in der Präventionsarbeit eine eigene Wirkung entfaltet. Denn Orientierung entsteht dort, wo Analyse auf Menschen trifft, die in ihrer Community gehört werden.

