Geopolitik stand im Fokus der ersten Veranstaltung der Politischen Akademie im neuen Jahr 2024, wo wir uns gemeinsam mit unseren Partnern – dem Wilfried Martens Centre for European Studies und der Diplomatischen Akademie Wien – dem afrikanischen Kontinent und dessen Bedeutung für die Weltmächte widmeten. Schon vor einigen Jahren hat sich die Politische Akademie mit „Afrika“ einen weiteren Schwerpunkt im Bereich Internationales gesetzt und den großen Chancenkontinent einem interessierten Publikum näher gebracht.
Direktor Christian Tesch eröffnete die Diskussionsveranstaltung „Der umkämpfte Kontinent – Afrika im Fokus der Weltmächte“ mit einem Hinweis auf die aktuelle geopolitische Situation in und um Afrika. Besonders das Horn von Afrika und dessen Bedeutung für den internationalen Handel zwischen Asien und Europa rückten in den letzten Wochen durch die Angriffe der Huthie-Rebellen in den Fokus der medialen Berichterstattung. Da kam diese Podiumsdiskussion mit Dr. Peter Hefele vom Wilried Martnes Centre, Dr. Gerald Hainzl von der Landesverteidigungsakademie und Velina Tchakarova, Expertin für Geopolitik und dem Moderator der Runde, Thomas Vieregge von der Tageszeitung Die Presse, gerade zur richtigen Zeit.
Dr. Peter Hefele, Politischer Direktor des Wilfried Martens Centre, beleuchtete die Europäische Partnerschaft mit den afrikanischen Staaten, die durch die verschiedenen Akteure von Europäischer Seite nicht einheitlich gelebt wird und derzeit von einem Wandel geprägt ist. Besonders in der Europäischen Entwicklungspolitik auf dem afrikanischen Kontinent braucht es diesen Wandel, da sie laut Hefele derzeit nicht zielführend ist. Stattdessen muss die Entwicklungspolitik in andere Politik-Bereiche integriert werden und auch die Diversität Afrikas im Blick haben.
Auch der Afrika-Experte der Landesverteidigungsakademie, Gerald Hainzl, unterstrich die Sichtweise von Hefele in seinen Wortmeldungen. Der afrikanische Kontinent ist weder kulturell noch politisch einheitlich und somit auch die Sicht der afrikanischen Staaten auf die Weltmächte sehr unterschiedlich. Der Einfluss und die Rolle diverser Staaten wie China, USA und Russland können sich daher in Afrika auch stark unterscheiden. Europa muss dies in seiner Sicht auf Afrika im Blick behalten und die Bedürfnisse und Interessen der afrikanischen Staaten stets individuell betrachten.
Die Rollen der großen Weltmächte beleuchtete in der Runde die Expertin für Geopolitik Velina Tchakarova, die besonders die Auswirkungen der externen Akteure auf dem afrikanischen Kontinent hervorhob. In den letzten Jahren haben die westlichen Staaten, insbesondere die USA, den afrikanischen Kontinent sträflich vernachlässigt und den Raum zu sehr Russland und China überlassen. Jetzt trat jedoch eine Ernüchterung in vielen afrikanischen Staaten gegenüber China ein, wodurch sich neue Chancen für die USA, Europa und insbesondere Indien auftun.
Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Diskussion hoben hervor, dass man Afrika nicht als „Krisen-, sondern als Chancenkontinent“ betrachten soll. Es gilt die positiven Aspekte stärker in den Fokus der Diskussionen zu rücken und alte Begriffe, wie den „globalen Süden“ nicht mehr zu verwenden.
Der Abend war durch die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Fragen von Seiten des Publikums ein fulminanter Start in das Jahr 2024 an der Politischen Akademie.
Die ganze Diskussion zum Nachschauen im Video unten: