20.01.2026

Mag. iur. Ümit Vural

Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Bildung 2035

In einer Welt, die von Wandel und komplexen globalen Herausforderungen geprägt ist, muss sich Bildung bis zum Jahr 2035 grundlegend weiterentwickeln. Die Vision muss ein Bildungssystem sein, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern als Fundament für eine plurale und reflektierte Gesellschaft dient.

Im Zentrum der Bildung von morgen muss eine Renaissance der Allgemeinbildung stehen. Fächer wie Geschichte, Geographie, Religion und Philosophie sind essenzielle Werkzeuge. Sie bieten den ethischen und kulturellen Kontext, der notwendig ist, um sich in einer globalisierten und immer pluraler werdenden Welt zu orientieren. Nur wer die Wurzeln unserer Gesellschaft und die Vielfalt menschlichen Denkens kennt, kann die Zukunft verantwortungsvoll mitgestalten. Dies ist das Fundament für ein gesundes Verständnis.

Eng verknüpft mit diesem geisteswissenschaftlichen Fundament ist eine umfassende Medienkompetenz essentiell. Im Jahr 2035 ist die Kompetenz, manipulierte Texte oder KI-generierte Deepfakes sicher zu identifizieren, eine demokratische Überlebensstrategie. Bildung muss Lernende dazu befähigen, Informationen kritisch zu hinterfragen und die Mechanismen der digitalen Welt zu durchschauen, um ihre Souveränität als Bürgerinnen und Bürger zu wahren.

KI ist 2035 kein isoliertes Fach mehr, sondern ein integraler Bestandteil des Lernens und Arbeitens. Wir müssen verstehen, wie wir diese Technologien nutzen können, um menschliche Kreativität zu erweitern, anstatt sie zu ersetzen. Sprachen bleiben dabei die Brücke zur Welt, ergänzt durch die Fähigkeit, mit Maschinen zu kommunizieren.

Um auf die immer kürzer werdenden Innovationszyklen unserer Zeit reagieren zu können, muss das Schulsystem seine starren Strukturen ablegen. Es muss eine neue institutionelle Flexibilität geben. Lehrpläne und Organisationsformen müssen agil genug sein, um auf neue gesellschaftliche und technologische Herausforderungen in Echtzeit zu reagieren. Schule darf kein geschlossenes System sein, sondern ein lernender Organismus.

Über die inhaltliche Vermittlung hinaus muss sich die Schule als ein offener, angstfreier Raum definieren. Sie ist ein Ort der Potenzialentfaltung, an dem sich SchülerInnen frei nach ihren individuellen Vorstellungen und Talenten entwickeln können. In dieser Umgebung wird Vielfalt als Stärke begriffen und die persönliche Reifung ebenso wertgeschätzt wie die akademische Leistung.

Dieses Mosaik aus Tradition, technologischer Innovation und menschlicher Freiheit bildet die Grundlage für einen Diskussionsprozess, der Bildung zukunftsfit, wirkmächtig und auf Höhe der Zeit macht.

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