20.01.2026
Dr. Teresa Torzicky
Gründerin BID – Gemeinsam Bildung stärken
Bildung ist vieles. Sie ist nicht nur die Vermittlung von Wissen oder Kompetenzen, sondern auch eine innere Haltung bzw. Überzeugung, dass die Zukunft so aussichtsreich ist, dass es sich lohnt, in sie und somit sich selbst und die eigene Umgebung zu investieren und sich jeden Tag Zeit zu nehmen, um dies auch wirklich zu tun. Denn unabhängig davon, ob man persönlich eher konservativ oder progressiv denkt, gilt: Ohne eine positive Zukunftsperspektive und unter dem Druck von Zukunftsangst lernt niemand wirklich gut und Kreativität und Innovationskraft können sich nur spärlich entfalten.
Gerade deshalb ist es essentiell, dass im gesellschaftlichen Dialog über Bildung ein gemeinsames Bild von Zukunft entsteht – eines, das mehr Perspektiven eröffnet, als die aktuelle Situation und alle Beteiligten unabhängig von Herkunft und anderer Eigenschaften positiv stimmt. So schlicht das klingen mag: gemeinsam auf dasselbe zu schauen und dabei auch das gleiche zu sehen und dabei auch in der Lage zu sein, die positiven Nuancen zu entdecken, ist für eine Gesellschaft bzw. die Menschen in einem Land überaus wichtig. In den letzten Jahren scheint zwischen zunehmender Digitalität, politischer Polarisierung und einer teils ungewohnten kulturellen Vielfalt diese gemeinschaftliche Fähigkeit ein wenig verloren gegangen zu sein. Auch sind wir teilweise sehr stolz darauf, was wir nicht alles unterschiedlich sehen und wahrnehmen, wie wir uns voneinander unterscheiden und welche Bereicherung es nicht ist, sich gegenseitig herauszufordern und im Wettstreit zu übertreffen.
Oftmals gerät bei all diesen Entwicklungen in Vergessenheit, dass Menschen zwar sehr unterschiedlich sind, aber der einzelne Mensch im Grunde ein soziales Wesen ist und ein Grundbedürfnis nach Gemeinschaft, Austausch und zwischenmenschlicher Resonanz hat. Genau hier kann Bildung ansetzen, denn mit jeder Sache, die man (kennen-)lernt, ist man eher in der Lage, die Welt durch die Augen eines anderen zu sehen und immer wieder von neuem erstaunt zu sein, was sich dabei alles entdecken lässt. Dabei entstehen auch Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Alters und auch unterschiedlicher Interessen, was mit ein Zweck von Bildung ist. Damit Bildung diesem Zweck gut nachkommen kann, sollte an den eigens für das Lernen von Kindern und Jugendlichen vorgesehenen Orten die notwendige Ruhe und Sicherheit vorherrschen und sollten Pädagog*innen genug Zeit und Ruhe haben, um Lernprozesse bestmöglich zu begleiten.
Es wäre daher schön, wenn man im Bildungsbereich langfristiges Denken und Planen etablieren könnte und sich Zeiträume von ca. 15 Jahren hernimmt und sich für diese strategische Ziele setzt, die durchaus den Bedarf mit sich bringen können, dass das Gesamtsystem Kindergarten & Schule inkl. zugehörige Verwaltung, Lehre und Politik gemeinsam lernt. Die gesellschaftliche Haltung, die daraus entstehen könnte, wäre sicherlich zu begrüßen.