20.01.2026

BR Sebastian Stark B.A. M.Sc.

Bundesrat

Bis 2035 benötigt Österreich eine Schulverwaltung, die Verantwortung, Transparenz und Entwicklungsorientierung absichert. Das stark bürokratisierte System erfasst Leistung nur punktuell und überlässt Schulentwicklung Einzelinitiativen. Ein Bildungspakt muss daher an den Steuerungsstrukturen ansetzen: an der Sichtbarkeit von Leistung, an klaren Zuständigkeiten und an einer digitalen Infrastruktur, die Schulentwicklung unterstützt. 

Zentral ist ein flächendeckendes, anonymisiertes Leistungsmonitoring. Alle Noten und Daten werden in einer bundesweiten Datenbank erfasst und automatisiert statistisch ausgewertet, um bestehende manuelle Berichte zu ersetzen, Verwaltung zu verschlanken und eine Grundlage für Schulentwicklung zu liefern.  

Für Schülerinnen und Schüler braucht es einen digitalen „Kompetenz- und Leistungskatalog“. Ab Beginn der Sekundarstufe werden Zeugnisse, Rückmeldungen, Kompetenzeinschätzungen und besondere Projekte in einer Bildungscloud dokumentiert und mit Lehrplänen verknüpft. Dieses Portfolio macht Lernwege sichtbar, erleichtert Übergänge und ermöglicht gezieltere Förderung.  

Auf Ebene der Einzelschule sind klare Zuständigkeiten, aber vor allem die Arbeit an den Klassen entscheidend: Klassenvorständinnen und Klassenvorstände erhalten eine wöchentliche Klassenvorstandsstunde, zusätzliche Ressourcen und die koordinierende Verantwortung für den pädagogischen Rahmen der Klasse, denn nur starke Lehrerinnen und Lehrer sorgen für starke Schülerinnen und Schüler.  

Schulautonomie braucht gestaltbare Räume. Einmal pro Semester findet eine Schulentwicklungskonferenz statt, bei Bedarf begleitet durch externe Experten. In der Sekundarstufe II ermöglicht ein modularisiertes System flexible Bildungswege, schulübergreifende Online-Wahlfächer eröffnen standortunabhängige Spezialisierung. Personalautonomie und größere Durchlässigkeit zur Wirtschaft stärken die Qualität des Lehrkörpers. 

Digitalisierung bildet das Rückgrat dieser Reformarchitektur. Eine zentrale Bildungscloud bündelt Unterrichtsmaterialien, Lernprogramme und Software, der Zugang erfolgt über einen einzelnen Login. Die Bezahlung der Lernprogramme und Softwarelösungen erfolgt dabei nach der Zahl der Aufrufe. Gleichzeitig muss der Fokus der Digitalisierung auf das Notwendige gelegt werden: Digitalisierung nicht um der Digitalisierung wegen, sondern dort wo Mehrwert entsteht, dort wo mit Digitalisierung Individualisierung ermöglicht wird.  

Curricular braucht es eine Rückbesinnung auf Wissensstandards: Fachliches Wissen bildet die Grundlage für Kompetenzerwerb. Kompetenzerwerb, der nur dann funktionieren kann, wenn auch das Leistungsdenken in den Mittelpunkt rückt und leistungsfeindliche Komponenten abgebaut werden. Kompetenzerwerb, der nur dann in der Sekundarstufe möglich ist, wenn die Basistechniken Lesen, Schreiben, Rechnen wirklich einwandfrei aus der Volksschule mitgebracht werden. So kann ein Bildungspakt 2035plus unser Schulsystem nachhaltig ausrichten. 

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