20.01.2026

Mag. Dr. Rudolf Taschner

Nationalrat

Memorandum zur Bildung in Österreich (Kurzfassung)

Schule prägt die Zukunft einer Gesellschaft. Seit Maria Theresia verfolgt das österreichische Bildungswesen das Ziel, junge Menschen zu vernünftigen, selbstständigen Bürgern zu bilden. Neben der Vermittlung grundlegender Kompetenzen soll Schule heute auch zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen.

Grundlegende Bildung umfasst Lesen, Schreiben, Rechnen, Denken sowie Kenntnisse in Fremdsprachen, Naturwissenschaften, Geschichte, Wirtschaft, Kultur und Religion. Diese Bildung muss allen Kindern zugänglich sein. Kinder mit besonderen Bedürfnissen sollen gezielt gefördert werden; sonderpädagogische Angebote bleiben dafür unverzichtbar.

Darüber hinaus gibt es eine „höhere Bildung“, die auf individuellen Begabungen und Interessen aufbaut. Bildung darf nicht auf ein einziges Ideal reduziert werden. Akademische und handwerkliche Bildungswege sind gleichwertig. Die Vielfalt menschlicher Talente verlangt eine Vielfalt schulischer Angebote.

Schule ist heute nicht nur Wissensvermittlerin, sondern übernimmt zunehmend auch soziale, emotionale und erzieherische Aufgaben. Ganztagsschulen werden daher an Bedeutung gewinnen.

Entscheidend für den Erfolg von Schule sind qualifizierte Lehrkräfte. Die Lehramtsausbildung soll auf drei gleichwertigen Säulen beruhen: fachliche Kompetenz, praxisorientierte Pädagogik und begleitete Unterrichtspraxis. Lehrkräfte müssen sowohl fachlich überzeugen als auch die Persönlichkeit jedes Kindes ernst nehmen. Regelmäßige Praxisphasen außerhalb der Schule sollen ihre gesellschaftliche Erfahrung erweitern.

Lehrpläne sollen zwischen „Pflicht“ und „Kür“ unterscheiden. Zur Pflicht gehören klar definierte Grundlagen, die schlank und nachvollziehbar überprüft werden. Die Kür umfasst jene Bereiche, die Begabungen, Kreativität, kulturelle Bildung und persönliche Entwicklung fördern. Standardisierte Tests sollen nur eine unterstützende Rolle spielen.

Schulen sollen mehr Eigenständigkeit erhalten. Jede Schule entwickelt ein eigenes Profil – etwa mit sprachlichem, naturwissenschaftlichem, technischem, musischem, sportlichem oder wirtschaftlichem Schwerpunkt. Dadurch entsteht eine vielfältige Bildungslandschaft, die unterschiedlichen Interessen gerecht wird.

Für die Schulstruktur wird ein gegliedertes System vorgeschlagen: Volksschule für alle Kinder, anschließend Mittelschule oder AHS mit durchlässigen Übergängen. Bildungsentscheidungen sollen auf Leistungsfeststellungen, Beratungsgesprächen und Schnuppertagen beruhen.

Besondere Bedeutung kommt der Digitalisierung zu. Schließlich braucht Schule vor allem Vertrauen in die Menschen, die sie tragen: Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte, Schulleitungen und Verwaltung. Schulgesetze sollen einen klaren, einfachen Rahmen schaffen und den Schulen möglichst viel Gestaltungsfreiheit ermöglichen.

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