20.01.2026
Petra Maria Berger
Diplomierte Sprachtrainerin
Als diplomierte Sprechtrainerin – ausgebildet am Konservatorium im Hauptfach Sprechen und weitergebildet an renommierten Instituten im In- und Ausland – ist meine Expertise die Kunst der verbalen Darstellung, die nonverbale, paraverbale und verbale Kommunikation.
Im gesamten deutschsprachigen Raum gibt es einen Lehrstuhl für Rhetorik – in Tübingen. In Deutschland gibt es auch die Ausbildung zur Sprecherzieher:in. In Österreich gibt es nichts. Keine systematische, anerkannte Ausbildung. Wir überlassen das Feld dem freien Markt – und selbsternannten Spezialist:innen.
Das ist nicht nur ein bildungspolitisches Versäumnis. Es ist eine Schwächung der Demokratie. Denn Sprache ist nicht bloß Transportmedium für Inhalte – sie ist Werkzeug zur Orientierung, zur Abgrenzung, zur Teilhabe. Wer sich nicht ausdrücken kann, kann auch schwer einordnen, bewerten und widersprechen. Und das ist mitnichten ein „Migrationsthema“. Eine Sprache im Regelwerk zu beherrschen, ist nur ein kleiner Teil des Überzeugungsvermögens. Gehirnphysiologisch ist Sprechen nicht mit Schreiben zu vergleichen – es passieren ungleich mehr Vorgänge parallel –, es ist mit dem Improvisieren im Jazz vergleichbar: das Instrument virtuos zu beherrschen, ist die Voraussetzung für das spontane Formulieren. Ja. Und dann kommt noch die Psychologie dazu …
Was ist zu tun?
Nun. Wenn in der Bildung kein Geld in die Hand genommen werden kann, gar nichts. Lehrer:innen besuchen weiterhin meinen Tagesworkshop und geben das Gehörte weiter. Rhetorische Kompetenz ist aber keine Angelegenheit für Neigungsgruppen. Sie unterliegt hochgradigen Automatismen, ist eng mit der Persönlichkeit verknüpft und braucht jahrelanges Training.
Ein Blick ins Ausland zeigt, dass es geht: Im angelsächsischen Raum gilt Sprechen seit Jahrhunderten als Schlüsselkompetenz – für mündige Bürger:innen ebenso wie für wirtschaftlich erfolgreiche Menschen. In unserem Schulsystem hingegen kratzt man notgedrungen an der Oberfläche: Blickkontakt, Lampenfieber, Präsentationstechnik. Das erklärt, warum so viele Menschen in entscheidenden Momenten sprachlich straucheln und sich nicht Gehör verschaffen können.
Ist das Absicht? Ich glaube nicht. Aber fehlende Priorisierung wirkt wie Absicht; mit fataler Konsequenz. Frei sprechen zu können, sprachlich wendig zu sein, macht frei, denn es erhöht die Wahlmöglichkeit. Sich nicht gut ausdrücken zu können, macht hingegen unfrei – die Betroffenen geraten in die Defensive, unterliegen im Gespräch bzw. erliegen Beeinflussungen.
Deshalb braucht es eine klare bildungspolitische Neuausrichtung: Von der Universität bis zum Kindergarten ist ein stufenweise einzuführendes Pflichtfach „Sprechen“ vonnöten.
Dazu sind zunächst für die akademische Lehramtsausbildung Fachkräfte der einzelnen Disziplinen zu finden, um schließlich einen reformierten Lehrplan für alle Altersstufen installieren zu können. So entsteht die Grundlage für eine Gesellschaft, die sich klar artikuliert, kritischer denkt und souveräner handelt.