20.01.2026

OStR Mag. Wolfgang Türtscher

ehem. Obmann der ÖAAB-Lehrer Vorarlbergs

Grundsätzlich muss sich Österreichs Schulsystem wieder der Leistungsorientierung verschreiben, das wurde in den letzten 50 Jahren stark vernachlässigt – es wurde die Illusion vermittelt, jeder und jede könnte bei entsprechender Förderung jedes Bildungsziel erreichen. Was für Deutschland Herzog und Schmidt festgestellt haben, gilt wohl auch für Österreich: Der deutsche Bundespräsident von 1994 – 1999, Roman Herzog (1934-2017, CSU) und der Bundeskanzler von 1974 – 1982, Helmut Schmidt (1918-2015, SPD), sind sich über die große Schwäche des deutschen Bildungssystems klar, wenn sie festhalten: Die Linke hat die Anforderungen in den deutschen Schulen immer weiter abgesenkt, um den Kindern aus nichtarrivierten Schichten den sozialen Aufstieg zu erleichtern; die Bürgerlichen haben das mitgemacht, um den dummen Kindern arrivierter Familien den Abstieg zu ersparen.

Elementarpädagogik: Die Kinder halten sich so lange in den Einrichtungen der Elementarpädagogik auf, bis sie die deutsche Sprache so beherrschen, dass sie dem Unterricht in der Volksschule folgen können.

Primarstufe: Am Ende der 4. Klassen muss jedes Kind lesen, schreiben und rechnen können. Sonst sind diese Kenntnisse in der 5. Klasse der Volksschule zu erwerben.

Sekundarstufe: Die Aufnahme in die Mittelschule und ins Gymnasium erfolgt durch ein standardisiertes Aufnahmeverfahren, die Volksschulnote ist ein Teil davon.

Sonderpädagogik: Ein selbstständiger Ausbildungszweig für Sonderpädagogik an den Pädagogischen Hochschulen wird wieder eingeführt.

Matura: Die neue Reifeprüfung ist nicht wirklich leistungsorientiert, wurde durch Corona-Bestimmungen weiter „verwässert“. Österreich entschließt sich nach bayrischem Vorbild z.B. mit Literaturkanones in allen Sprachen zu einer „echten“ Zentralmatura! Der 2020 abgeschaffte externe Maturavorsitz wird wieder eingeführt, die Einrechnung der Jahresnote in die Reifeprüfung wird abgeschafft.

Klare Trennung Universität – Fachhochschule: kein Promotionsrecht für Fachhochschulen. Die privaten Universitäten und Hochschulen sind nicht dazu da, Aufnahmeprüfungen zu „umgehen“.

Schulorganisation: Schule und Wissenschaft sind Angelegenheit des Bundes, wo es organisatorisch zweckmäßig erscheint, können die Länder Durchführungsaufgaben übernehmen – in der Nachfolge der Bildungsdirektionen. Eine fachspezifische Schulaufsicht, die diesen Namen verdient, ist wieder einzurichten.

Lehramtsausbildung: Die unterschiedlichen Aufgaben und Bildungsziele der Schularten sind in der Lehrerausbildung zu berücksichtigen. Die Ausbildung zum Pflichtschullehrer muss in drei Jahren möglich sein.

Grundsätzlich sollte die ÖVP unser Bildungssystem organisch und stetig weiterentwickeln und an die gesellschaftlichen Herausforderungen anpassen. Schrille Überschriften passen nicht zu uns. Das überlassen wir gerne dem derzeitigen Bildungsminister Wiederkehr, der sich mit seinem „KI statt Latein“-Programm nachhaltig blamiert hat und kaum mehr als ernsthafter Partner in der Bildungspolitik in Frage kommt.

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