20.01.2026
FH-Prof. Priv.-Doz. DI Dr. Oliver Hödl
Universität Wien und Fachhochschule Oberösterreich
Ganzheitliches Lernen, gezielt digital und miteinander
Bei der Nutzung digitaler Endgeräte in Schulen findet inzwischen (endlich) ein Umdenken statt und Smartphones, Tablet sowie Laptops verschwinden (wieder) aus den Klassen. Bereits eine Studie aus dem Jahr 2017 besagt, dass bereits die bloße Präsenz des Smartphones in der näheren Umgebung am Tisch liegend oder in der Tasche die kognitive Kapazität des menschlichen Gehirns (durch unterbewusste Ablenkung) verringert. Insofern ist es besonders wichtig, dass gerade junge Menschen sich ohne Ablenkung auf das Lernen konzentrieren können.
Digitale Technologien sind aus unserer Welt jedoch nicht mehr wegzudenken und bringen zweifelsohne viele Vorteile mit sich. Jungen Menschen die sog. MINT-Fächer, das heißt Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik näher zu bringen, ist daher zeitgemäß und sinnvoll, um sie auf eine zunehmend digitalisierte Welt vorzubereiten und für zukünftige Berufsfelder auszubilden.
Digitale Technologien sollten jedoch gezielt eingesetzt werden und ganzheitliches Lernen sollte gefördert werden. Denn der Fokus auf reine MINT-Förderung hat Schwachstellen: Meist wird nur direkt auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes hin ausgebildet; Kompetenzen wie etwa kreatives und problemorientiertes Denken, gleichermaßen wichtig für die moderne Arbeitswelt, werden dabei kaum berücksichtigt; trotz verstärkter Förderung von MINT-Fächern sind für viele die Anforderungen zu „technisch“ und damit die Einstiegshürden immer noch unüberwindbar hoch, um das Interesse junger Menschen zu wecken und sie nachhaltig dafür zu gewinnen.
Ein möglicher Lösungsansatz ist die Kombination von MINT mit „Kunst“ (und Geisteswissenschaften) – oder abgekürzt MINKT, wodurch die fachliche Einseitigkeit überwunden und die Interdisziplinarität ganz bewusst genutzt werden kann. Gleichzeitig erreicht man über weniger technische Zugänge eine größere Zielgruppe und erleichtert den Einstieg.
Ein praktisches Beispiel ist ein digitales Musikinstrument, um MINT-Inhalte praxisnah, kreativ und interdisziplinär zu vermitteln: Lernende bauen (einfache) spielbare Synthesizer mit modularen Baukästen, lernen dabei einfache Schaltkreise, handwerkliche Fertigkeiten und Programmierung am Mikrocomputer. Die elektronische Klangerzeugung eröffnet Zugänge zu Physik (akustische Schwingungen) und Mathematik (Kurvenbeschreibungen) und verbindet diese mit gestalterischen Entscheidungen zu Bedienung, Spielbarkeit und äußere Form. Unterschiedliche Materialien und Herstellungsverfahren (z. B. Pappe, Holz, 3D-Druck) fördern problemlösendes Denken und ästhetische Gestaltung. Durch Arbeit zu zweit oder in Kleingruppen werden individuelle Stärken eingebunden, wodurch fachliche Lernziele gemeinsam erreicht und zugleich soziale Kompetenzen gestärkt werden. Abschließend ermöglicht das Musizieren mit dem eigenen Instrument unmittelbare Lernerfahrungen und motiviert über den künstlerischen Ausdruck.
Weitere Informationen: www.drhoedl.com