20.01.2026
Dr. R. Niki Harramach
Emer. Rechtsanwalt, Unternehmensberater, Wirtschaftstrainer, Coach, Supervisor
Eltern- und Verhaltensbildung
Ob jemand gute Bildung erfahren hat, erkennt man von der Wiege bis zur Bahre hauptsächlich an seinem/ihrem Verhalten – mehr als durch das gezeigte Wissen. Gute Bildung sollte daher
- Von Anfang an Verhaltensbildung sein. Im Kindergarten ist das Verhalten ohnehin das einzige Fach. Die sog. „Klassischen Grundtugenden“ wie Schreiben, Lesen und Rechnen kommen ja erst in der Volksschule dazu. Die in der Aufzählung immer ausgelassene Grundtugend Sprechen ist gescheiterweise im Kindergarten schon dabei. (Kommunikation ist ja ein bedeutender Verhaltensaspekt.) Aber selbst der Kindergarten ist als Bildungsstart schon zu spät. Denn Kindergarten und definitionsgemäß auch Elementarpädagogik beginnt mit der Geburt. Die öffentliche Hand muss sich daher bereits um die
- Elternbildung kümmern. Bildung wird bekanntlich vererbt = sozialisiert, und zwar von Anfang an besonders durch die Bildungsdistanz der Eltern (= Erziehenden). Bei den Eltern muss Bildungsnähe gesichert, notfalls aufgebaut werden. Ohne Bildung der Eltern kann keine Bildung durch die Eltern gewährleistet werden! Die Absolvierung von Elternbildung soll im Eltern-Kind-Pass vermerkt werden müssen! Gesetzliche Grundlage ist grundsätzlich §138 ABGB: Zu den Kriterien des Kindeswohls gehören unter anderem „eine sorgfältige Erziehung“ (Ziffer 1) und die „Förderung der Anlagen, Fähigkeiten, Neigungen und Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes“ (Ziffer 4). Keine Scheu vor Strafen! Und die Strafen sollten im Ausmaß jener für fahrlässige oder gar vorsätzliche (psychische) Körperverletzung sein! Nicht im Bereich von Parkplatzübertretungen! Vernachlässigte Erziehung führt in der Regel zu lebenslangen Schäden!
Zurück zu 1. Verhaltensbildung: Ab der Primärstufe sollen Verhaltens-Fertigkeiten ein eigenständiges Pflichtfach sein, aber auch stets integriert in andere Fächer – insbesondere als Kommunikations-Kompetenz; in den Sekundarstufen ebenfalls als eigenständiges Pflichtfach (mit einem Fächerkanon der pragmatischen Social Skills Kommunikation, Führung, Teamwork, Konflikt- und Kooperationsmanagement, Motivation, …) und integriert in Projektarbeiten. Diese Fertigkeiten (nicht bloß Fähigkeiten) müssen anwendbar als Pflichtfach unterrichtet, also als Erfahrungslernen „trainiert“, nicht nur, aber auch, wissensmäßig gelehrt und gelernt und ebenso geprüft werden (auch in Form einer praktischen Demonstration als Maturafach). Im tertiären Sektor sollen Social Skills in jedem Studienfach integriert sein!
Die Volks- bis Hoch-Schulbildung sollte sich durchaus – wenn sie „für das Leben“ ausbildet – Anleihen aus der beruflichen Aus- und Weiterbildung nehmen: Etwa 30% betragen seit Jahrzehnten konstant Nachfrage und Angebot im Bereich Persönlichkeitsentwicklung!