20.01.2026

Michaela Langer-Weninger, PMM

Landesrätin der Oö. Rergionen

Wenn wir heute darüber sprechen, wie unser Bildungssystem 2035 aussehen soll, dürfen wir nicht nur fragen, welches Wissen junge Menschen künftig brauchen. Entscheidend ist vielmehr, was sie mit diesem Wissen anfangen können.
Wenn Maschinen Informationen in Sekunden aufbereiten, verändern sich auch die Anforderungen an Bildung. Reines Faktenwissen wird nicht bedeutungslos, aber Kreativität, kritisches Denken, Problemlösungskompetenz und die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen, gewinnen massiv an Bedeutung. Schule muss daher stärker Raum dafür schaffen, eigene Ideen zu entwickeln, Dinge zu hinterfragen und Wissen praktisch anzuwenden.
Gerade als Agrar-Landesrätin ist mir eines besonders wichtig: Bildung muss die grundlegenden Zusammenhänge unseres täglichen Lebens vermitteln. Dazu gehört das Wissen darüber, wo unsere Lebensmittel herkommen, wie sie produziert werden und welche Arbeit hinter einer fertigen Mahlzeit steckt. Gerade im urbanen Raum erleben wir zunehmend eine Entfremdung von Land- und Forstwirtschaft. Viele Kinder wissen kaum noch, wie Lebensmittel entstehen oder welche Leistungen unsere Bäuerinnen und Bauern für Versorgung, Kulturlandschaft und Umwelt erbringen.
Angebote wie „Schule am Bauernhof“, Schulgärten, Waldpädagogik oder Kooperationen mit regionalen Betrieben sollten deshalb noch stärker Teil moderner Bildungsarbeit werden. Wer Zusammenhänge versteht, kann später auch verantwortungsvoll entscheiden.
Ein entscheidender Baustein dafür ist für mich die praktische Ausbildung. Junge Menschen müssen erleben, ausprobieren und selbst gestalten können. Praktische Fähigkeiten sind kein Gegensatz zu akademischer Bildung, sie ergänzen einander. Gerade unsere berufsbildenden und landwirtschaftlichen Schulen zeigen, wie erfolgreich Lernen sein kann, wenn Unterricht, Praxis und Lebenswirklichkeit eng miteinander verbunden sind. Dieses Prinzip sollte im gesamten Bildungssystem einen höheren Stellenwert bekommen. Angebote wie „Schule am Bauernhof“, Schulgärten, Waldpädagogik oder Kooperationen mit regionalen Betrieben können dabei wichtige Brücken zwischen Unterricht und Lebensrealität schlagen.
Bildung 2035 muss daher mehr sein als Wissensvermittlung. Sie muss jungen Menschen Selbstständigkeit und Orientierung mitgeben. Denn zukunftsfit ist ein Bildungssystem dann, wenn es nicht nur auf Prüfungen vorbereitet, sondern auf das Leben.

Weitere Artikel

20.01.2026 Bildungspakt

Claudia Andre M.Ed.

Vorsitzende im Zentralausschuss der Landeslehrer an allgemein bildenden Pflichtschulen bei der Bildungsdirektion für NÖ  in Kooperation mit Christian Rametsteiner, M.Ed. Vorsitzender…