20.01.2026
Mag. Melina Schneider-Lugger
Abteilungsleitung Bildungspolitik der Wirtschaftskammer Österreich
Auf dem Weg zur Bildungsnation Österreichs 2035
Bildung und die Talente unserer jungen Menschen sind der entscheidende Zukunftsfaktor unseres Landes: die Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt, wirtschaftliche Stärke und individuelle Chancen. Genau deshalb muss der Bildungsstandort Österreich oberste Priorität haben. Seit über 20 Jahren machen Studien wie PISA sichtbar, dass sich die Leistungen nicht verbessert haben. Darum setzen wir gemeinsam folgende Schritte:
Frühkindliche Bildung stärken
In den Kindergärten werden als erste Bildungseinrichtung die entscheidenden Grundlagen gelegt. Jeder investierte Euro in die frühkindliche Bildung bringt langfristig ein Vielfaches an Nutzen zurück. Wir brauchen daher qualitätsvolle, leistbare und flächendeckende Kinderbetreuung, darüber hinaus multiprofessionelle Teams, gezielte spielerische Sprachförderung sowie mehr MINT-Angebote.
Grundkompetenzen vermitteln und Stärken sichtbar machen
Es ist inakzeptabel, dass junge Menschen nach neun Jahren Schulpflicht nicht ausreichend lesen, schreiben oder rechnen können. Österreich braucht eine echte Bildungspflicht statt einer bloßen Schulpflicht. Wer zusätzliche Unterstützung braucht, muss diese innerhalb eines Schulsystems erhalten, welches stärkt statt aussortiert. Dafür müssen Schulen unterschiedliche Begabungen gezielt fördern. Es ist eine verpflichtende Berufsorientierung in allen Schultypen und Schulstufen sowie die Einbindung von Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur essentiell.
Die Schule der besten Köpfe
Österreich braucht die besten Köpfe im Lehrberuf. Dafür müssen Quereinstiege erleichtert, Karrierewege attraktiver gestaltet und die gesellschaftliche Wertschätzung für den Lehrberuf erhöht werden. Die Schulleitungen müssen als Schul- und Personalmanager unterstützt werden (mittels guter Fort- und Ausbildung, Mentoring, Entlastung bei administrativen Aufgaben). Mit mehr Schulautonomie bei der inhaltlichen Schwerpunktsetzung und bei Personal können flexiblere Unterrichtsmodelle ermöglicht werden.
Die Berufsbildung spielt eine Schlüsselrolle
Die duale Ausbildung ist eine große Stärke Österreichs – 1,6 Millionen Menschen haben einen Lehrabschluss als höchsten Bildungsabschluss. Jetzt gilt es, attraktive Aufstiegsmöglichkeiten weiter auszubauen. Mit der Höheren Beruflichen Bildung entsteht eine neue Säule berufspraktischer Qualifizierung auf tertiärer Ebene.
Genauso wichtig ist die gesellschaftliche Wertschätzung für die berufliche Bildung. Außerdem bleibt die Unterstützung der Ausbildungsbetriebe durch die betriebliche Lehrstellenförderung unverzichtbar. Denn die Unternehmen tragen bereits die Mehrheit der Kosten und des Aufwands in der dualen Ausbildung.
Packen wir es an!
Für dieses Ziel braucht es den gemeinsamen Willen und die Offenheit ALLER Beteiligten, Bildung ohne Tabus neu zu denken. Österreich investiert bereits viel Geld, welches nun faktenbasiert bestmöglich eingesetzt werden muss: durch Reformbereitschaft, moderne Pädagogik und innovative Technologien.