20.01.2026

Mag. Matthias Hofer

Vorsitzender der AHS-Gewerkschaft Tirol und des Fachausschusses AHS bei der Bildungsdirektion für Tirol, Bundesobmann der AHS-Lehrer/innen im ÖAAB

Unser Bildungssystem steht vor großen Herausforderungen. Der Lehrermangel ist seit Jahren ein Dauerthema. Hauptursache ist ein neues Dienstrecht, das nur als Sparpaket auf dem Rücken junger Lehrpersonen bezeichnet werden kann. Neben dem Wahlrecht zwischen altem und neuem Dienstrecht braucht es die Wiedereinführung des abgeschafften Unterrichtspraktikums als fachlich begleiteten Einstieg sowie wettbewerbsfähige Gehälter.

Die Beherrschung der Unterrichtssprache ist eine zentrale Notwendigkeit für Integration und Bildungserfolg. Deutschförderklassen waren ein erster wichtiger Schritt, weitere müssen folgen! Schulautonom gestaltete Deutschförderung braucht zusätzliches Personal und Räume – besonders in urbanen Regionen.

Frühkindliche Bildung und Volksschule bilden die Basis für Chancengerechtigkeit. Politisches Ziel muss es sein, dass jedes Kind vor Schuleintritt über ausreichende Deutschkenntnisse und soziale Reife verfügt. Die Volksschule soll sich konsequent auf Lesen, Schreiben und Rechnen konzentrieren. Standardisierte Überprüfungen am Ende der vierten und achten Schulstufe sollen Entscheidungshilfen für Eltern bieten und Transparenz über Bildungswege schaffen.

Es braucht ein klares Bekenntnis zum differenzierten Schulsystem. Das achtjährige Gymnasium genauso wie die Sonderschule sind zu erhalten. Leistungsstarke Kinder sollen möglichst früh gefördert werden, gleichzeitig muss das System so durchlässig bleiben, dass Schülern aller Schularten – bei entsprechenden Leistungen – alle Bildungswege bis zur Matura offenstehen.

Der Anteil der öffentlichen Ausgaben für das Schulwesen an allen öffentlichen Ausgaben ist in Österreich im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich. Die ausreichende Dotierung des Unterrichtsbudgets ist keine Garantie, aber eine unverzichtbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Schulpolitik, die Österreichs Schulwesen in eine gute Zukunft führt.

Auch beim Unterstützungspersonal besteht massiver Handlungsbedarf. Österreich zählt im internationalen Vergleich zu den Schlusslichtern. Unterschiedliche Herausforderungen zwischen Stadt und Land erfordern flexible Steuerung, dürfen aber keine Umverteilung zulasten ländlicher Regionen bringen.

Zentrale Testungen wie MIKA-D oder IKM+ verursachen hohe Kosten, ohne aktuell relevante Konsequenzen für Beurteilungen oder Bildungswege zu haben. Es braucht eine politische Entscheidung: Entweder fließen die Ergebnisse in Leistungsbeurteilung und Bildungswegentscheidungen ein, oder man verzichtet auf diese Testungen.

Schließlich ist die Organisation der Schulaufsicht neu zu ordnen. Seit 2019 verantworten Schulqualitätsmanager alle Schularten gleichzeitig – ein System, das weder Effizienz noch Qualität sicherstellt. Für eine zielgerichtete Weiterentwicklung jeder Schulart braucht es wieder schulartenspezifische Zuständigkeiten sowie fachlich qualifiziertes Personal mit einschlägiger Expertise in der jeweiligen Schulart.

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