20.01.2026

Martina Humpel M.Sc., B.A.

Führungskraft in der Elementarpädagogik

Elementare Bildungseinrichtungen sollten sowohl gesellschafts- als auch sozialpolitisch als vollwertige Bildungseinrichtungen wahrgenommen und anerkannt werden. Bildung beginnt nicht erst mit dem Schuleintritt. Gerade die ersten Lebensjahre sind für die Entwicklung eines Kindes von großer Bedeutung und legen wichtige Grundlagen für spätere Bildungs- und Entwicklungsprozesse.

Kinder kommen als neugierige und entdeckungsfreudige Wesen zur Welt. Sie besitzen eine natürliche, intrinsische Motivation, ihre Umwelt kennenzulernen, Zusammenhänge zu entdecken und eigene Erfahrungen zu sammeln. Entscheidend ist daher die Haltung der erwachsenen Bezugspersonen. Der Blick sollte sich deshalb von der Frage „Was müssen wir dem Kind schon beibringen?“ hin zu „Welche Umgebung braucht das Kind, damit es selbst tätig werden und sich entwickeln kann?“ verändern.

Zentrale Eckpfeiler der Elementarpädagogik sind dabei freies und selbstbestimmtes Spiel, durch das Kinder vielfältige Lernerfahrungen sammeln können. Ebenso müssen Bewegung und Naturerfahrungen feste Bestandteile des pädagogischen Alltags sein. Im Mittelpunkt steht eine ganzheitliche Förderung, welche die soziale, emotionale, körperliche, sprachliche und kognitive Entwicklung gleichermaßen berücksichtigt. Kinder sollen als aktive und kompetente Mitgestalter ihres eigenen Lernens wahrgenommen werden. Dafür brauchen sie Möglichkeiten zur Selbstständigkeit, Partizipation und Mitbestimmung sowie Freiräume, um eigene Erfahrungen machen zu können. Dadurch können bereits früh demokratische Grundhaltungen, Verantwortungsbewusstsein und Selbstwirksamkeit entwickelt werden.

Durch multiprofessionelle Teams können Kinder, Eltern und elementare Bildungseinrichtungen gezielt unterstützt und entlastet werden. Eine gelingende Bildungskooperation zwischen Pädagog:innen, Eltern und weiteren Fachkräften schafft unterschiedliche Perspektiven und ermöglicht es, individuelle Bedürfnisse frühzeitig zu erkennen. Durch regelmäßigen Austausch, gegenseitige Wertschätzung und eine gute Zusammenarbeit kann die Entwicklung und das Wohlbefinden der Kinder bestmöglich begleitet und gefördert werden.

Elementare Bildungseinrichtungen benötigen deshalb eine stärkere Professionalisierung des Personals und bundesweit einheitliche Mindeststandards. Fachkräfte aus Bereichen wie Sozialpädagogik, Sprachförderung, Inklusion oder Psychologie können Elementarpädagog:innen gezielt unterstützen und entlasten. Gleichzeitig braucht es klare Qualitäts- und Ausbildungsstandards für Assistenzkräfte und Stützkräfte. Gute Arbeitsbedingungen, ausreichend qualifiziertes Personal und eine klare Aufgabenverteilung können dazu beitragen, Fachkräfte langfristig im Beruf zu halten und dem Personalmangel entgegenzuwirken. Qualitätsvolle Elementarpädagogik braucht somit vor allem Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, den Bildungsrahmenplan im Alltag bestmöglich umzusetzen.

Weitere Artikel

20.01.2026 Bildungspakt

Claudia Andre M.Ed.

Vorsitzende im Zentralausschuss der Landeslehrer an allgemein bildenden Pflichtschulen bei der Bildungsdirektion für NÖ  in Kooperation mit Christian Rametsteiner, M.Ed. Vorsitzender…