20.01.2026
Martina Hammerer, Cert. Mgt.
Obfrau der Wiener ÖVP-Frauen Mariahilf
Als Mutter zweier Töchter sowie langjährige Elternvertreterin an einer katholischen Privatschule ist mir die Mädchenbildung ein besonderes Anliegen. Wenn die Geschichtsbücher in ferner Zukunft auf unsere heutige Gesellschaft und ihre Bildungsstandards zurückblicken werden, dann wohl mit der Erkenntnis, dass linksideologische Dogmen wie Gleichmacherei und Gender Studies den Lauf der Zeit nicht überlebt und als Irrlehren einer wohlstandsgesättigten Zeit tituliert werden. Was hingegen die Zeit überdauern wird, das ist Bildung basierend auf christlich-sozialer Wertebasis, deren Fundament auf drei Säulen beruht: Individuelle Selbständigkeit, Gemeinschaft und Leistungsprinzip. Was heißt das konkret und warum ist das gerade für Mädchen im Kontext der heutigen Geschlechterdebatte so wichtig? Im Fokus der individuellen Selbständigkeit liegt die schulische Förderung der Stärken jedes Einzelnen. Selbstbewusstsein und Begabungserkenntnis sind vom Elternhaus gemeinsam mit der Schule zu fördern. Gerade die Mädchenbildung ist heute aufgrund traditionellen Wertemangels im Elternkreis eine der größten Herausforderungen der nächsten schulischen Dekade. Die Miteinbindung des Elternhauses in den Bildungsprozess ist Bedingung für individuelle Förderung von Kindern – insbesondere bei Mädchen. Der Begriff der Gemeinschaft muss neu kontextualisiert werden. Ich erinnere dabei an den Satz „Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied“. Gemeinschaftsfördernde Maßnahmen starten klein: gemeinsam essen, lesen, lernen, spielen, das Gegenüber annehmen üben. In einer Zeit, die geprägt ist von Bubble-Denken und Segregation durch Social-Media-Abhängigkeit, wird Gemeinschaftsbildung zu einem neuen „Hauptfach“ für das Bildungssystem.
Das Prinzip Leistung ist fundamentaler Bildungsbaustein und fungiert lebensbestimmend. Die nächste Dekade wird darüber entscheiden, ob das derzeitige Leistungsniveau weiter nach unten nivelliert wird oder ob Leistung wieder als etwas wahrgenommen wird, das positiv konnotiert ist und sich auf unsere Gesellschaft stärkend auswirkt. Ausschlaggebend wird sein, dass Bildung ähnlich einem Architektenauftrag für ein solides Haus gesehen wird: zuerst die Tragemauern errichten, dann den Dachstuhl, danach die Lebensräume: Geben wir den Kindern zu Anfang Papier und Bleistift zur Hand. Lassen wir sie mit der Hand schreiben, nicht mit der Tastatur. Lassen wir sie Bücher erfassen, nicht Textdateien am Tablet. Lassen wir ihnen die Zeit zu üben und zu wiederholen, denn nur so verinnerlicht man Wissen. Denn das sind die Tragemauern. Meine Töchter erinnern mich daran, dass ich hier Folgendes nicht vergessen darf: Für eine bildungsstarke Zukunft ist es essenziell, die Leistungsstarken zu fördern. Viel Geld fließt in die Förderung von Schülern im untersten Leistungsspektrum. Gute Schüler hingegen erhalten nicht den Anspruch, der ihnen gerecht werden muss. Gerade Mädchen leiden darunter, denn viele von ihnen sind leistungsstark, werden aber kleingehalten.