20.01.2026

Lukas Michlmayr

Bürgermeister, Landtagsabgeordneter NÖ

Ich zentriere in meinem Artikel Bildung 2035 plus nicht die Schulform, sondern stelle das Kind in seinem Lebensabschnitt in den Mittelpunkt und orientiere mich an seinem Tagesablauf. 

Lebensalter 6–10 Jahre (Volksschule) 

Jede Familie soll ihre Art der Unterstützung der Kindesentwicklung selbst wählen können. Es geht nicht darum, dass der Staat alles bezahlt, sondern dass – angepasst an unterschiedliche Familiensituationen – öffentliche Konzepte bestehen, für die sich Familien oder Alleinerziehende entscheiden können. 

Der Anstieg von Alleinerziehenden und Patchwork-Familien, sowie die geringere Unterstützung durch Großeltern in Städten und Gemeinden macht ein Umdenken notwendig. Gleichzeitig soll die Wahlfreiheit für traditionelle Familienmodelle erhalten bleiben. 

Eine Möglichkeit bleibt die Volksschule am Vormittag. Der Unterricht ist im Lehrplan geregelt. Religion und Sport bleiben Teil des Stundenplans, ebenso gelegentliche Aktionen wie die „Gesunde Jause“. Zu Mittag ist das Kind zu Hause, macht Hausübungen und geht seinen Interessen nach, etwa Musikunterricht oder Treffen mit Freunden. 

Eine zweite Variante ist eine freiwillige ganztägige, verschränkte Schulform. Unterrichts-, Übungs- und Freizeitblöcke verteilen sich über den Tag. Zu Mittag gibt es ein gemeinsames Essen im Speisesaal. In Freizeitphasen können Kinder klassenübergreifend Kontakte pflegen (Kindergartenfreunde, Nachbarskinder). Dafür braucht es Betreuungs- und Themenräume. Musikschulunterricht soll in den Tagesablauf integriert und zwischen den Schulleitungen abgestimmt werden. Im Volksschulgebäude stehen Räume für Musikunterricht zur Verfügung, sodass Kinder keine zusätzlichen Wege haben. Vormittagsunterricht in der Musikschule reduziert zudem den Raumbedarf an Musikschulstandorten und ermöglicht eine effizientere Stundeneinteilung für Lehrpersonal. 

Auch Kinder der Sonderschule sollen durch räumliche Nähe Speisesaal und Themenräume nutzen können. Der Unterricht bleibt jedoch in eigenen Klassen mit speziellen Lehrinhalten, wofür Pädagoginnen und Pädagogen eine entsprechende Ausbildung benötigen. In Freizeitphasen kann Inklusion stattfinden. Sonderschulkinder von 10–14 Jahren sollen freizeitmäßig bei Mittelschulen angebunden sein, der Unterricht bleibt jedoch getrennt. 

Ganztägiger Unterricht verursacht Kosten und soll daher nicht gratis sein. Dieses Modell kann durch soziale Unterstützung gerade für einkommensschwächere Familien eine Chance sein. Zur Finanzierung könnte teilweise die Familienbeihilfe herangezogen werden. 

Eine dritte Möglichkeit ist der reguläre Volksschulunterricht mit optionaler Nachmittagsbetreuung an einzelnen Tagen. Musikunterricht findet an den anderen Nachmittagen statt. Sozialer Kontakt zu Sonderschulkindern kann auch hier entstehen. 

Mir ist bewusst, dass nicht jede – besonders kleinere – Gemeinde alle drei Modelle anbieten kann. Lehrkräfte und Eltern sollen gemeinsam praktikable Lösungen entwickeln. Kinder sollen auch in nahegelegene Gemeinden wechseln können. 

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