20.01.2026
Laurin Weninger
im Namen der AktionsGemeinschaft
Bildungspakt 2035plus: Weniger Verwaltung, mehr Qualität – und eine echte Durchlässigkeit
Wenn wir 2035 über Bildung sprechen, sollten wir drei Fragen beantworten: Was können Kinder oder Jugendliche am Ende wirklich? Wie kommt man ohne Umwege zum passenden Bildungsweg? Und wer ist für was verantwortlich, und ist das messbar und nachvollziehbar?
Erstens braucht es klare Qualitätsziele entlang der Bildungskette: frühe Sprach- und Basiskompetenzen, verbindliche Orientierungspunkte an Übergängen (z.B. Ende Volksschule, Ende SEK I), und eine Unterrichtsentwicklung, die Lehrpersonen stärkt. Hierbei stehen Fachdidaktik, Klassenführung, Diagnostik und digitale Kompetenzen als Standard in Aus- und Fortbildung im Vordergrund. Dazu gehört zwingend eine deutlich praxisnähere Lehramtsausbildung: Die Pädagoginnen und Pädagogen von morgen brauchen früh und kontinuierlich Praxiserfahrung im Klassenraum, nicht erst am Ende des Studiums. Betreute Praxisphasen ab dem ersten Studienjahr, durch z.B. Hospitationen, Team-Teaching oder auch eigenständige Sequenzen, plus Mentoring und standardisiertes Feedback durch erfahrene Lehrpersonen machen aus Theorie schneller Kompetenz und erhöhen die Qualität im Berufseinstieg.
Zweitens müssen Bildungswege durchlässig sein. Übergänge zwischen AHS/BHS/Lehre/FH/Uni dürfen nicht an Formularen und Zuständigkeitswirrwarr scheitern. Was jemand schon kann, soll einfach und fair angerechnet werden, damit man Dinge nicht doppelt machen und zahlen muss. Lehre und Berufsbildung sollen dabei gleichwertig weiterentwickelt werden. Hierfür muss man duale Modelle stärken, gute Übergänge in die FHs und Universitäten schaffen und Kooperationen mit Betrieben ausbauen. Hierfür braucht es aber klare Qualitätsstandards, damit das Niveau auch passt.
Drittens ist der größte Hebel oft nicht „mehr Papier“, sondern weniger
Bürokratie. In der Bildungsverwaltung soll gelten: Daten nur einmal angeben („Once-Only-Prinzip“), dann rechts- und datenschutzkonform weiterverwenden. Das spart Zeit und Geld, und bringt den Fokus dorthin zurück, wo er hingehört: weniger Formulare, mehr Unterricht. Dafür braucht es eine digitale Mindestbasis (WLAN, funktionierender Support, sinnvolle Geräte-Strategie) und digitale Grundkompetenzen für alle Schülerinnen und Schüler, pragmatisch und nicht als Ideologieprojekt.
Chancengerechtigkeit entsteht dabei nicht durch „für alle ein bissl“, sondern durch Hilfe dort, wo sie wirklich gebraucht wird. Bildungseinrichtungen und Standorte mit größeren Herausforderungen (z.B. mehr Sprachförderbedarf, mehr soziale Belastungen) sollen gezielt mehr Personal und Unterstützung bekommen. Entscheidend sind dabei frühe Förderung, Mentoring und niederschwellige Beratung als Service. Damit Probleme nicht erst später teuer „repariert“ werden müssen.
Ein Bildungspakt 2035plus ist dann erfolgreich, wenn er nicht nur eine „Vision“ bleibt, sondern Pilotierung, Skalierung und Evaluierung fix mitdenkt, mit klaren Zuständigkeiten und transparenten Ergebnissen.