20.01.2026

Mag. Karl Fritthum

Bildungsdirektor Niederösterreich

Status quo und Reformpotenzial des Bildungssystems: Weg von reiner Strukturdebatte, hin zu inhaltlich-pädagogischer Auseinandersetzung 

Diskussionen zur Struktur des Bildungssystems gehören in Österreich längst zum guten Ton. Es scheint ein österreichisches Spezifikum zu sein, das Bildungssystem in Frage zu stellen. Die jüngste Reform ist 8 Jahre alt, Bildungsdirektionen gibt es seit 2019 – trotz der Herausforderungen einer Mischbehörde sind sie gut angelaufen und sind zu echten Serviceeinrichtungen für Jugend, Lehrerschaft und Eltern geworden. Daher sollte man den Fokus auf besten Unterricht legen. Der hängt nicht davon ab, wer welches Personal verwaltet, wer wofür zuständig ist, sondern von einer gewinnbringenden Beziehung zwischen Lehrpersonal und Jugend. 

Wo soll Bildung 2035 stehen? 

Durchlässiges, flexibles Gesamtsystem ohne Sackgassen: Einst war ein Berufs- bzw. Ausbildungsweg de facto eine Lebensentscheidung. Statt fester Schubladen braucht es modularisierte Bildungswege, um größtmögliche Flexibilität für Jugendliche zu erreichen. Es muss gelingen, die Zahl jener, die aus dem Bildungssystem fallen, stark zu reduzieren. 

Migration – Integration: Schule ist ein Spiegel der Gesellschaft. Verlangen wir als Gesellschaft das Einhalten von Regeln und Werten von Zuwanderern, so muss das auch für die Schule gelten. Das betrifft die Alltags- und Unterrichtssprache Deutsch oder den Respekt vor unserer Kultur und traditionellen Festen und Bräuchen. 

Beteiligung der Erziehungsberechtigten an der Ausbildung: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen.“ – Dieser Spruch ist schon etwas in die Jahre gekommen. Das Dorf steht heutzutage manchmal ohne Beteiligung der Eltern, die den Hauptteil der Erziehung tragen sollten, da. Hier braucht es klare und transparente Kommunikation und die Festlegung von Bildungszielen. Beteiligen sich Eltern nicht, muss es Konsequenzen geben. 

Inklusion: Jedes Kind hat das Recht auf Bildung, unabhängig von Herkunft, Behinderung, Sprache oder sozialem Status. Es wird dabei noch stärker um den Zugang zu individualisierten Lernwegen gehen. Ob dies besser in einer Regelklasse oder im Setting der Sonderschule geschieht, ist individuell verschieden. Beides hat seine Berechtigung. Dass es in Zukunft moderne Sonderschulen geben muss, ist kein Widerspruch zur Inklusion. 

Schule verstärkt als Lebensraum: Das Thema Nachhaltigkeit sowie der Fokus auf sozial-emotionale Kompetenzen, wie Teamfähigkeit, Selbstorganisation oder Konfliktlösung werden an Bedeutung zunehmen. 

Digitalisierung und KI als Teil des Schulalltags: Digitalisierung ist kein statischer Prozess, sondern entwickelt sich rasant. Es braucht kontinuierliche, ständig weiterentwickelte digitale Fortbildung für Lehrpersonen und einen Fokus auf Medienkompetenz. Ein Zukunftsthema muss die ethische Nutzung von KI sein. 

Dank einer Pädagogik mit Herz und Verstand wird es gelingen, neue Entwicklungen mit pädagogischem Augenmaß der engagierten Lehrpersonen in den Schulalltag zu integrieren. 

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