20.01.2026

Kari Ochsner M.A.

Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich 

Bildung entscheidet darüber, ob wir Zukunft gestalten oder verwalten 

Wenn ich über unser Bildungssystem spreche, dann mache ich das auch aus meinen eigenen Erfahrungen heraus: als Unternehmer, der junge Mitarbeiter fördert, der Lehrlinge ausbildet und Bewerber erlebt, aber auch als Vater dreier Kinder. Ich sehe, wo wir gut sind und wo wir Chancen verspielen. 

Bildung gibt Orientierung und ermöglicht Sinn. Was mir fehlt, ist der gemeinsame Anspruch. Bildung muss junge Menschen befähigen, Verantwortung zu übernehmen: für ihr Leben sowie eine Gesellschaft, die Vielfalt, Demokratie und Leistung braucht, um Wohlstand zu sichern. Wesentlich ist für mich folgendes:   

Die Elementarbildung ist unser größter Hebel.  

Damit alle Kinder gleiche Chancen haben, brauchen sie ab dem ersten Lebensjahr die Möglichkeit einer guten Betreuung und Sprachförderung. Qualität und Öffnungszeiten von Krippen und Kindergärten dürfen nicht vom Wohnort abhängen. Gemeindeübergreifende Modelle müssen ausgebaut werden, damit Kinder gut versorgt sind und Vollzeitarbeit für beide Elternteile möglich ist. 

Wir brauchen eine echte Bildungspflicht.  

Am Ende der Pflichtschulzeit müssen Jugendliche lesen, rechnen, Englisch sprechen und digitale Grundkompetenzen und wirtschaftliches Basiswissen beherrschen. Ein verpflichtender Kompetenzcheck als Fairnessinstrument verhindert, dass Jugendliche unvorbereitet in die Lehre starten. Diese Offensive für qualitative Grundbildung und individuelle Förderung ist dringend notwendig. 

Drittens: Wir müssen den Praxisbezug stärken.  

Österreich lebt von seiner Industrie – und Industrie von Menschen, die etwas können. Unsere HTLs sind ein europäisches Erfolgsmodell und sollten als Zukunftshub gestärkt werden. Gleichzeitig braucht die Lehre ein stärkeres Profil. Sie ist kein Plan B, sondern ein gleichwertiger Bildungsweg, der moderne Berufsschulen, gute Übergänge und echte Durchlässigkeit erfordert – auch für Erwachsene und Menschen mit Migrationserfahrung. 

MINT weiter früh und sichtbar fördern. 

Energieunabhängigkeit, Klimaschutz und Digitalisierung gelingen nur, wenn Buben UND Mädchen Technik verstehen und mögen. Dafür braucht es frühe Zugänge und Role Models, die zeigen, dass Technik für alle da ist. Die Fortschritte sind sichtbar: In technischen Schulen sitzen heute etwas mehr Mädchen als früher, und mehr Frauen ergreifen Berufe, die früher typisch männlich galten. Umso wichtiger ist es, hier konsequent weiterzumachen. 

Orientierung in einer komplexeren Welt geben. 

Unsere Kinder wachsen globaler und digitaler auf als jede Generation zuvor. Sie müssen wissen, wie Demokratien funktionieren, warum Vielfalt stärkt und weshalb Gewalt keinen Platz haben darf. Ebenso wichtig ist ein Verständnis für die Rolle der EU, des globalen Handels und von Technologien wie KI, die Berufe und Entscheidungen grundlegend ändern werden. 

Es ist Aufgabe von Eltern, Schulen und Politik, Kindern das richtige Werkzeug mitzugeben, damit sie ihren (Lebens-)Weg gut gehen können. Alles Weitere entsteht aus Leistung, Haltung und der Chance, etwas aus sich zu machen. 

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