20.01.2026
DI Johannes Pressl
Bürgermeister der Marktgemeinde Ardagger, Präsident des Österreichischen Gemeindebundes, Präsident des Niederösterreichischen Gemeindebundes
Bildungspolitik 2035: Was Gemeinden vom Bildungssystem erwarten?
Elementar- und Grundschulbildung ist kommunale Daseinsvorsorge. Wer 2035 Qualität will, muss Verlässlichkeit, Verantwortung und Ressourcen dort bündeln, wo es wirklich zählt: in der Heimatgemeinde und in der Region.
1) Bildung ist Heimat: Verlässlichkeit beginnt dort, wo Kinder aufwachsen
Ein gutes Bildungssystem zeigt sich im Alltag: Können Eltern planen? Gibt es Plätze? Sind Schul- und Betreuungsstandorte langfristig abgesichert? Gemeinden halten diese Realität am Laufen – mit Räumen, Organisation und Infrastruktur. 2035 soll Schule wieder Ankerpunkt sein: Lernort und Ort der Gemeinschaft, offen für Kooperationen mit Vereinen, Musikschule, Bibliothek und Jugendarbeit. Bildung stärkt Heimat, wenn sie erreichbar und planbar ist.
2) Nähe ist Verantwortung: Organisatorische Entscheidungen müssen dorthin, wo Nähe zählt
Zu oft entscheidet jemand weit weg vom Klassenzimmer und vom Dorfplatz. Gemeinden sehen die Folgen zuerst: fehlende Plätze, fehlendes Personal, überlastete Teams. Nähe heißt: klare Ansprechpartner, schnelle Entscheidungen, weniger Reibungsverluste. Gemeinden tragen in der Praxis bereits große Verantwortung – organisatorisch und infrastrukturell. Wer umsetzt, muss mitentscheiden können. Gleichzeitig braucht es mehr Kooperation zwischen Gemeinden – besonders bei Volksschule und ganz zentral bei der Nachmittagsbetreuung: gemeinsame Angebote, Ressourcen und verlässliche Abstimmung.
3) Vertrauen entsteht durch Leistung: Grundkompetenzen sind nicht verhandelbar
Am Ende zählt, was Kinder können – und was sie sich zutrauen. Lesen, Schreiben, Rechnen und Sprache sind die Basis. 2035 braucht es frühe Unterstützung, konsequente Förderung und rechtzeitiges Erkennen von Problemen. Vertrauen entsteht, wenn Eltern sehen, dass das System hinschaut, fördert und nachsteuert – damit jedes Kind echte Chancen hat.
4) Zutrauen braucht Ressourcen: Personal, Betreuung, Infrastruktur – finanziert wie Daseinsvorsorge und mit klarer Verantwortung
Reformen scheitern oft an Personal und Betrieb. Ganztag, Inklusion, Deutschförderung, Digitalisierung und Förderunterricht funktionieren nur als dauerhaft finanzierter Grundbetrieb. Dazu gehören multiprofessionelle Teams (Assistenz, Schulsozialarbeit, Schulpsychologie), damit Pädagoginnen und Pädagogen nicht allein gelassen werden. Diese Leistungen sind wichtige Teile des Bildungssystems – nicht eine Zusatzlast, die am Ende bei den Schulerhaltern hängen bleibt. Weniger Bürokratie, mehr Zeit am Kind.
5) Reformen mit Hausverstand: Gemeinden sind nicht das Problem – sie sind die Lösung
Gemeinden sind stark, wenn es praktisch wird: Menschen zusammenbringen, entscheiden, umsetzen. Genau diese Haltung braucht das Bildungssystem. Mehr Verantwortung für Gemeinden und handelnde Personen vor Ort – mit klaren Zuständigkeiten und fairer Finanzierung. Unser Ziel: weniger Zuständigkeitsdebatte, mehr funktionierender Alltag für Kinder und Familien.