20.01.2026

Mag. Hermann Dikowitsch

Leiter der Gruppe Kultur, Wissenschaft und Unterricht beim Amt der Niederösterreichischen Landesregierung 

Reformpotenziale in der österreichischen Bildungspolitik – der niederösterreichische Weg 

Bildung ist das Fundament unserer Demokratie. Sie lebt – neben Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit – von aktiven Bürgerinnen und Bürgern. Niederösterreich verfolgt einen klaren Weg: Bildung soll Eigenverantwortung, Lösungsorientierung, Kreativität und Diskursfähigkeit stärken – von der frühen Kindheit bis ins Berufsleben. 

Digitalisierung als Zukunftsinvestition 

Die digitale Transformation ist eine der größten Aufgaben des Bildungssystems. Niederösterreich hat hier eine Vorreiterrolle: 93 % der Schulen nahmen an der Digitalisierungsoffensive teil. Neben Hardware wurden auch Fortbildungen und technischer Support angeboten – ein Beispiel für gelebte Subsidiarität. 

Frühkindliche Bildung als Schlüssel 

Zwei verpflichtende Kindergartenjahre und der Ausbau der Nachmittagsbetreuung sorgen für frühe Sprachförderung und soziale Chancengleichheit. Ziel ist nicht nur Betreuung, sondern echte Bildung: spielerisch, wertebasiert, zukunftsorientiert.  

Kultur als Bildungsraum 

Kulturelle Bildung ist integraler Bestandteil des niederösterreichischen Weges, wie Netzwerke und Initiativen zeigen.   

  • KinderKunstLabor in St. Pölten: im ersten Jahr 40.000 Besucher; Kinder gestalten Kinder aktiv mit, lernen Perspektivenvielfalt und Teamarbeit – Grundlagen für kritisches Denken und demokratische Haltung.
  • Musik & Kunst Schulen Management Niederösterreich (MKM): mit der Kompetenzstelle Musik- und Kunstvermittlung, die gezielt Schnittstellen zwischen Kunst, Bildung und Publikum schafft. Niederösterreich: 126 Musikschulen und 66 Kreativakademien (Stand: 2022). 
  • Niederösterreichische Kreativitätsförderung fördert (durch verschiedene Träger) außerschulische Räume, in denen Kinder und Jugendliche ihre kreativen Talente entfalten können. Zielsetzung: Dezentrale Zugänge zu künstlerischer Förderung ermöglichen.
  • Plattform Kultur4kids. 

Demokratiebildung und Erinnerungskultur 

Programme wie „Erinnern für die Zukunft“ machen Geschichte erfahrbar: Zeitzeugenprojekte und Gedenkveranstaltungen sensibilisieren junge Menschen für Rechtsstaatlichkeit und Zivilcourage.  

Reformpotenziale nutzen 

Die größten Handlungsfelder bleiben klar:  

  • Lehrkräfte sichern – durch Ausbildungsoffensiven, Quereinstieg und attraktive Arbeitsbedingungen. 
  • Digitale Bildung vertiefen – nicht nur Geräte, sondern Didaktik, Medienkompetenz und Datenschutz lehren. 
  • Integration stärken – Sprachförderung und kulturelle Bildung weiter ausbauen.
  • Partizipation fördern – Schulen als Orte der Mitgestaltung und des Dialogs entwickeln.

Fazit 

Der niederösterreichische Weg zeigt, wie Bildungs- und Kulturpolitik ineinandergreifen können. Bildung ist nicht auf Wissensvermittlung reduziert, sondern versteht sich als Investition in eine Bürgergesellschaft, in der Menschen Verantwortung für Zusammenhalt und Miteinander übernehmen. So entsteht eine tragfähige Demokratie – ein Ziel, das weit über den Klassenzimmeralltag hinausreicht. 

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