20.01.2026

Hannah Scheidl

Bundesschulsprecherin

Damit das österreichische Bildungssystem im Jahr 2035 leistungsfähig, gerecht und zukunftsorientiert ist, sind in den kommenden Jahren gezielte Reformen notwendig. Bildung muss allen jungen Menschen gleiche Chancen bieten und sie bestmöglich auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und persönliche Herausforderungen vorbereiten.

Ein wichtiger Reformbereich ist die Lern- und Beurteilungskultur. Das bestehende Notensystem soll weiterentwickelt und durch verständliche, kompetenzorientierte Rückmeldungen ergänzt werden. Ziel ist es, Lernen langfristig wirksam zu gestalten und den Fokus stärker auf Verständnis und Anwendung von Wissen zu legen. Gleichzeitig ist eine Entlastung durch die Überprüfung von Lehrplänen erforderlich. Inhalte sollen reduziert, besser aufeinander abgestimmt und regelmäßig aktualisiert werden. Dabei sind insbesondere politische Bildung, Medien- und Digitalkompetenz, Finanzbildung sowie die Förderung von kritischem Denken zu stärken.

Im Schulwesen braucht es mehr Handlungsspielraum für einzelne Standorte. Schulen sollen organisatorische und pädagogische Entscheidungen stärker eigenständig treffen können, begleitet von klaren Rahmenbedingungen und Unterstützung durch die Bildungsverwaltung. Zusätzlich ist der Ausbau von Unterstützungsangeboten notwendig. Schulpsychologische und sozialpädagogische Betreuung muss flächendeckend verfügbar sein, um das Wohlbefinden der Schüler:innen zu sichern.

Auch die Lehramtsausbildung ist weiterzuentwickeln. Sie soll praxisnah gestaltet sein und besser auf den Schulalltag vorbereiten. Zentrale Themen sind der Umgang mit unterschiedlichen Leistungsniveaus, moderne Unterrichtsformen sowie der sinnvolle Einsatz digitaler Mittel. Darüber hinaus sind regelmäßige Fortbildungen sowie eine spürbare Entlastung von Verwaltungsaufgaben erforderlich.

In der Finanzierung ist eine stärkere Orientierung am tatsächlichen Bedarf notwendig. Schulen mit besonderen sozialen oder regionalen Herausforderungen müssen gezielt unterstützt werden, um Bildungsunterschiede zu verringern.

Schließlich ist die Beteiligung von Schüler:innen am Schulleben weiter auszubauen. Mitbestimmung fördert Verantwortungsbewusstsein und stärkt das Verständnis für demokratische Prozesse.

Durch einen umfassenden Reformansatz kann das österreichische Bildungssystem langfristig gestärkt und nachhaltig weiterentwickelt werden.

Weitere Artikel

20.01.2026 Bildungspakt

Claudia Andre M.Ed.

Vorsitzende im Zentralausschuss der Landeslehrer an allgemein bildenden Pflichtschulen bei der Bildungsdirektion für NÖ  in Kooperation mit Christian Rametsteiner, M.Ed. Vorsitzender…