20.01.2026
Mag. Gudrun Edhofer
AHS-Professorin
Eine Schule, die auf die Herausforderungen unserer Zeit reagieren will, braucht mutige, durchdachte und realistische Weiterentwicklungen. Zentrale Grundlage dafür ist ein Unterricht, der fächerübergreifend denkt und arbeitet. Themen sollen nicht länger isoliert in einzelnen „Schubladen“ behandelt werden, sondern aus verschiedenen Perspektiven begreifbar werden. So lernen Schülerinnen und Schüler, Zusammenhänge zu erkennen und Wissen wirklich zu vernetzen – eine Fähigkeit, die im Leben weit über den Unterricht hinaus Bedeutung hat.
Gerade im Bereich der Mathematik ist es wichtig, Aufgaben wieder kompakter und klarer zu gestalten. Zu aufgesplittete Fragestellungen erschweren den Blick aufs Wesentliche. Die Lernenden sollen wieder erkennen können, worum es eigentlich geht, und den roten Faden eines Problems verstehen. Das stärkt nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch Selbstwirksamkeit.
Ebenso unverzichtbar ist eine verpflichtende, kontinuierliche Weiterbildung für alle Pädagoginnen und Pädagogen – besonders im Bereich der künstlichen Intelligenz. KI wird den Bildungsalltag nachhaltig prägen, und nur gut geschulte Lehrkräfte können sie sinnvoll, verantwortungsvoll und gewinnbringend einsetzen. Eine offene, unterstützende Zusammenarbeit innerhalb des Lehrkörpers sowie zwischen verschiedenen Schultypen wäre ein weiterer großer Gewinn. Weg von Konkurrenz und Neid, hin zu echtem Austausch, gegenseitiger Wertschätzung und geteilten Erfahrungen. Schule gelingt am besten, wenn niemand allein arbeitet. Dazu braucht es eine gelebte positive Feedback- und Fehlerkultur. Wir sind Menschen, keine Maschinen. Fehler gehören zum Lernen – bei Kindern genauso wie bei Erwachsenen. Eine solche Haltung würde nicht nur das Schulklima verbessern, sondern auch das Berufsethos stärken.
Damit einhergehend braucht es mehr Wertschätzung für den Lehrberuf – beginnend auf höchster Ebene. Anerkennung wirkt motivierend, und sie ist angesichts der gesellschaftlichen Verantwortung von Pädagoginnen und Pädagogen mehr als gerechtfertigt.
Schließlich ist eine funktionierende, zeitgemäße Ausstattung der Schulen unabdingbar. Der jüngst thematisierte Umstand, dass Lehrkräfte grundlegende Unterrichtsmaterialien teilweise privat finanzieren müssen, zeigt dringenden Handlungsbedarf auf. Schulen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, moderne Infrastruktur und ausreichende Ressourcen – für guten Unterricht und für faire Arbeitsbedingungen. (https://kurier.at/politik/inland/unterrichtsmaterialien-lehrer-privat-unterricht-schule/403145954) Nur durch diese umfassenden Verbesserungen kann Schule zu einem Ort werden, an dem Lernen, Lehren und gemeinsames Wachsen gelingt und wieder Spaß macht.