20.01.2026

Gerlinde Grabner

Mittelschullehrerin

Was brauchen unsere Kinder und Jugendlichen, um wieder resilienter zu werden in einer immer instabileren Welt, in der Werte und politische Systeme fallen, und nicht zuletzt die großen Sorgen um unseren Planeten ständig im Raum stehen?

Kindergarten und Schule sind außer dem Elternhaus die Orte, wo Sozialisierung stattfinden kann. Wie kann also der Lernort Schule derart umgestaltet werden, sodass er den Kindern der Generation Z gerecht wird?

Das klassische Bildungs- und Erziehungsideal zum „Wahren, Guten und Schönen“ unseres österreichischen Bildungssystems, das seine Wurzeln in der antiken Philosophie (v.a. Platon und Aristoteles) hat, ist wieder in den Fokus zu rücken.

Darauf möchte ich nun etwas näher eingehen, weil es die Grundlage unseres westlichen Humanismus bzw. christlicher Bildung ist und weiter bleiben soll. Gerade in einer immer differenzierteren und multikulturellen Gesellschaft ist der Fokus auf diese Grundlage von größter Priorität. Alle Maßnahmen, die eine Erneuerung im Bildungssystem herbeiführen sollen, müssen auf diese drei Werte geprüft werden. Das Wahre bezieht sich auf Erkenntnis, Vernunft und Urteilsfähigkeit. Das Gute bezieht sich auf Ethik und Moral. Dazu gehören Charakterbildung, Verantwortung und Tugenden wie Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit. Das Schöne meint ästhetische Bildung. Dazu gehören Musik, Kunst, Literatur, Naturwahrnehmung. Förderung von Sensibilität und Kreativität.

Die Kernidee ist, dass Bildung nicht nur nützliches Wissen vermitteln, sondern auch den ganzen Menschen formen soll. Um diesen Grundforderungen gerecht zu werden, ist ein ganzheitlicher Ansatz notwendig (die Verbindung von Kopf, Herz und Hand), der leider durch das Fächersystem vor allem ab der Sekundarstufe weitgehend verloren ging.

Die Frage lautet, welche Menschen wollen wir bilden. Bildung muss als Beziehungsgeschehen gesehen werden. SchülerInnen sind nicht primär LeistungsträgerInnen für die Wirtschaft. Ebenso muss die Rolle der PädagogInnen neu überdacht werden. Sie dürfen nicht zu reinen KompetenzvermittlerInnen degradiert werden.

Fächer wie Musik und Kunst bieten den SchülerInnen die Möglichkeit, ihre Sinne zu schärfen. Gemeinsames Singen, Musizieren oder Body Percussion lassen die Kinder sich selbst besser spüren, was wiederum den Selbstwert steigen lässt.

In der Früherziehung ist das Angebot an kreativen Tätigkeiten wie Malen, Basteln, Singen und Spielen noch ziemlich groß. Aber mit dem Eintritt in die Primarstufe halten die kognitiven Fächer vermehrt Einzug und werden leider auch teilweise von den musisch-kreativen Fächern entkoppelt. Es braucht Projekte wie Theaterspiel, gemeinsames Musizieren, Ausflüge und Arbeiten in und mit der Natur, um die jungen Menschen wieder für das Wesentliche menschlichen Daseins zu sensibilisieren. Das gemeinsame Tun wirkt auch der zunehmenden Vereinzelung entgegen, die sich in unserer Gesellschaft vermehrt finden lässt.

Auch im Sinne der Demokratie wäre ein rasches Umdenken dringend notwendig!

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