20.01.2026
FI Mag. Gerhard Angerer
Fachinspektor für Bewegung & Sport
Bildungskonzept: Bewegung & Sport
Das österreichische Schulsystem steht angesichts gesellschaftlicher und organisatorischer Herausforderungen an einem Wendepunkt. Ein zukunftsfähiges Bildungskonzept muss daher langfristig angelegt, politisch breit getragen und strukturell klar gesteuert sein. In zehn Jahren sollte Schule als zentraler Akteur im gesellschaftlichen Kontext mit klar definierten Rollen, effizienter Schulverwaltung, verantwortungsvoller Schulautonomie, kompetenzorientierten Lehrplänen und zeitgemäßer Leistungsbeurteilung wahrnehmbar werden.
Ein zentrales Entwicklungsfeld ist die konsequente Umsetzung kompetenzorientierter Lehrpläne in allen Schulformen sowie in der Lehrer/innen-Ausbildung. Dafür sind erweiterte personelle, zeitliche und finanzielle Ressourcen notwendig.
Der Unterrichtsgegenstand Bewegung und Sport muss sowohl durch ein ausreichendes Stundenausmaß als auch durch qualitativ hochwertige Ausbildung der Lehrpersonen (v.a. im praktischen Bereich) gestärkt werden.
Das Pflichtfach Bewegung und Sport ermöglicht Schülerinnen und Schülern, über unmittelbare Körper- und Bewegungserfahrungen und emotionale Erlebnisse einen Zugang zur Umwelt und zu sich selbst aufzubauen. Mit der Entwicklung einer individuellen bewegungs- und sportbezogenen Handlungsfähigkeit leistet der Unterrichtsgegenstand einen zentralen Beitrag zu einer umfassenden und reflexiven Bildung und Erziehung. Bewegung ist von elementarer Bedeutung für die körperliche, sensomotorische, soziale, emotionale, motivationale und intellektuelle Entwicklung der Kinder und dient dem Aufbau eines differenzierten Körper- und Selbstkonzepts.
Gezielte Lern- und Reflexionsanlässe vermitteln die individuelle und gesellschaftliche Bedeutung von Bewegung und Sport etwa im Spannungsfeld von Team und Individuum, Freude und Leistung, Gesundheit und Wohlbefinden und fördern einen dauerhaft aktiven Lebensstil.
Diese Bildungsaufgabe beginnt idealerweise im Elternhaus, setzt sich in der Elementarbildung und Schule fort und mündet hoffentlich in ein selbstbestimmtes und bewegungsaktives Leben.
Erforderlich sind ineinandergreifende Konzepte auf mehreren Ebenen:
Elternbildung – Elementarbildung – Schule – Freizeit
Unterschiedliche Zugänge zu Bewegung und Sport müssen abgesichert werden: ausreichende Stunden im Pflichtfach Bewegung & Sport, bewegungsorientierte Schulveranstaltungen, Kooperationen mit außerschulischem Sport, Anschlussangebote in Vereinen sowie niederschwellige Bewegungsangebote in Gemeinden, auch an Wochenenden und in Ferienzeiten.
Darüber hinaus leistet Bewegung und Sport einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Demokratiebewusstsein. Im gemeinsamen Sporttreiben erleben Kinder und Jugendliche Fairness, Mitbestimmung, Regelakzeptanz und Solidarität.
Sport verbindet Menschen unabhängig von Herkunft, sozialem Hintergrund, körperlichen Voraussetzungen, Religion, Geschlecht oder sexueller Identität und stärkt damit gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Kompetenzen.