20.01.2026

Gabriel Böhler

Student

Bildung Schritt für Schritt verbessern

Ein leistungsfähiges Bildungssystem entscheidet über die Zukunft eines Landes. Wenn wir Bildung verbessern wollen, müssen wir dort ansetzen, wo der größte Hebel liegt: bei der Qualität des Unterrichts. Zwei konkrete Ansätze können hier einen wesentlichen Unterschied machen: eine echte Feedbackkultur und zentral produzierte Lernvideos für stabile Pflichtinhalte.

Erstens: Echte Feedbackkultur als Qualitätsmotor

Feedback ist kein Zusatzaufwand, sondern ein zentraler Bestandteil wirksamen Lernens. Zwar ist das Einholen von Feedback im Schulqualitätsmanagement vorgesehen, in der Praxis bleibt es jedoch oft formal und ohne echte Wirkung. Dabei kann eine gelebte Feedbackkultur den Unterricht messbar verbessern. Schüler lernen, ihre Fortschritte zu reflektieren und konstruktiv Rückmeldung zu geben. Lehrkräfte erkennen klarer, was funktioniert und wo Anpassungen nötig sind. So entsteht kontinuierliche Verbesserung im Unterricht statt seltener großer Reformen. Gleichzeitig werden Kommunikationsfähigkeit, Selbstreflexion und Problemlösungskompetenz gestärkt.

Auch in Unternehmen ist der Wert von Feedback längst erkannt. Gerade deshalb ist es wichtig, schon in der Schule ein Verständnis für den Nutzen echter Feedbackkultur zu schaffen. Bloß festzuschreiben, dass Feedback eingeholt werden soll, reicht nicht aus. Es braucht Schulungen und einen echten Motivationsanstoß für Schüler, Lehrpersonen und Schulleitungen, damit Feedbackkultur im Alltag tatsächlich gelebt wird und alle Beteiligten den Mehrwert erkennen.

Zweitens: Zentral produzierte Lernvideos als verlässliche Basis

Im Schulsystem gibt es viele Inhalte, die jedes Jahr wiederkehren und sich kaum verändern, etwa Grundrechenarten, Grammatikregeln oder naturwissenschaftliche Grundlagen. Diese Themen müssen von Lehrkräften immer wieder neu erklärt werden. Dabei zeigt sich jedoch ein zentrales Problem: Nicht jede Erklärung ist gleich gut. Manche Lehrpersonen vermitteln Inhalte besonders anschaulich, klar und strukturiert, andere weniger. Dadurch hängt es oft vom Zufall ab, wie gut Schüler grundlegende Inhalte verstehen.

Für solche zeitlosen Basisinhalte sollten daher einmal hochwertige Erklärvideos erstellt werden, die fachlich und didaktisch hochwertig aufbereitet, klar strukturiert und anschaulich sind und von allen Schulen genutzt werden können. Österreich müsste diese Videos dabei nicht allein produzieren, denn gerade im deutschsprachigen Raum bieten sich dafür sinnvolle Kooperationen an.

Ein starkes Bildungssystem entsteht durch wirksamen Unterricht. Entscheidend ist, wie Inhalte vermittelt werden und wie gut Lernen tatsächlich gelingt. Eine gelebte Feedbackkultur und hochwertige Lernressourcen sind dafür zwei konkrete und realistisch umsetzbare Schritte.

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