20.01.2026
Dr. Franz Joseph Huainigg
Autor, Abgeordneter zum Nationalrat a.D.
Inklusion als Bildungsziel
Inklusion nützt allen! Nicht nur Kindern mit Behinderungen, sondern auch den nicht behinderten und genauso den hochbegabten Kindern. Leistung und Talente sollen bei jedem Kind und jeder und jedem Jugendlichen gefördert werden. Ein individualisierter Unterricht mit besseren Rahmenbedingungen geht auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes ein. Zudem fördert der gemeinsame Unterricht den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gut durchdachte und gut in die Schulpraxis übersetzte Inklusion verhindert Vorurteile und baut sie ab.
Die Wahlfreiheit für Eltern, ob ihr behindertes Kind in eine Sonderschule oder in eine Integrationsklasse geht, gibt es seit 1993. Aber ist das eine echte Wahlfreiheit? Die Sonderschulen bieten meist Therapien und Nachmittagsbetreuung an, die Regelschulen oft nicht. Auch die pädagogischen Ressourcen sind ungleich verteilt. Bei gleicher pädagogischer und therapeutischer Begleitung würden sich wohl die meisten Eltern behinderter Kinder für den gemeinsamen Unterricht entscheiden. Wo sollen die Ressourcen für die schulische Inklusion herkommen? Inklusion ist zwar kein Sparmodell, aber vieles kann durch Umverteilung ausgeglichen werden. Sonderschulen sollen auch für Inklusion geöffnet werden. Ebenso sollen in Schulclustern die vorhandenen Ressourcen für die Sonderschulklassen auch den Inklusionsklassen zugutekommen. Dadurch kann Inklusion mit den vorhandenen Ressourcen gesteigert werden.
Welche Maßnahmen sollten im Bildungsbereich zur Weiterentwicklung der Sonderpädagogik und schulischen Inklusion gesetzt werden?
- Ein klares und verlässliches Signal der Bundesregierung, dass es langsam, aber entschieden in Richtung Inklusion geht – nicht mehr ob, sondern wie! Es braucht einen klaren Etappenplan mit nachprüfbaren Indikatoren.
- Es braucht die Zielsetzung, dass jedes behinderte Kind in der Regelschule eingeschrieben wird. Die neuen Lehrpläne aus dem sonderpädagogischen Bereich sollen im Regelschulsystem angewandt werden.
- Maßnahmen und Ziele in Stichworten:
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- Inklusion muss im Kindergarten beginnen: Verpflichtendes Kindergartenjahr auch für Kinder mit einer Behinderung
- Übergang Kindergarten in die Schule durch Zusammenarbeit der Institutionen verbessern: Bildungskompass etablieren
- Ressourcenteilung in Inklusiven Schulzentren
- Unterstützung durch Schulassistenz: Einführung einer Ausbildung, einschließlich der Delegationsmöglichkeit für pflegerische Maßnahmen wie sie für Persönliche Assistenz im GuKG vorgesehen ist
- Weiterentwicklung der Teilqualifizierten Ausbildungen in Berufsbildenden -Mittleren- und Höheren Schulen (Analog zur erfolgreichen IBA)
- Übergang Schule- und Beruf verbessern, 12. Und 13. Schuljahr mit Ausbildungszielen für den Berufseinstieg weiterentwickeln
- Pädagogische Hochschulen auch für behinderte Studierende öffnen und geeignete Rahmenbedingungen schaffen.
- Gehörlose Native Speaker*innen in die Lehrer*innenausbildung bringen.
- Inklusion an Universitäten forcieren