20.01.2026

Mag. Eva Guserle

Vorsitzende der ÖPU (Österreichische Professoren Union)

Gymnasien sind und müssen auch in Zukunft unverzichtbare Bestandteile der österreichischen Schullandschaft bleiben. Sie haben sich über Jahrzehnte hinweg bewährt und erfüllen eine zentrale Aufgabe: eine fundierte Allgemeinbildung sowie die gezielte Förderung leistungsbereiter und leistungsfähiger Schüler:innen. Gerade in einem ressourcenarmen Land wie Österreich ist es essenziell, auf Wissen, Können und den Willen zur Leistung zu setzen. Eine Schule der Zukunft darf sich daher nicht allein an kurzfristigen Trends orientieren, sondern muss zeitlose Grundlagen und Fähigkeiten stärken.

In den vergangenen Jahren ist der Leistungsbegriff im schulischen Kontext zunehmend in die Defensive geraten. Dabei darf und muss Schule wieder Leistung einfordern dürfen. Leistungsorientierung bedeutet nicht Ausgrenzung, sondern klare Erwartungen, transparente Ziele und die Bereitschaft, Anstrengung als etwas Positives zu begreifen. Lernen ist kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für persönliche Entwicklung, gesellschaftliche Teilhabe und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit. Eine Schule, die Leistung wertschätzt, vermittelt jungen Menschen auch Durchhaltevermögen, Verantwortung und Selbstvertrauen.

Immer häufiger wird zudem der Nutzen des Fremdsprachenlernens in Frage gestellt, insbesondere vor dem Hintergrund rasanter Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Übersetzungsprogramme werden immer besser und sind bereits heute allgegenwärtig. Dennoch greift diese Argumentation zu kurz. Fremdsprachenlernen ist weit mehr als das bloße Übersetzen von Texten. Es schult das Sprachgefühl, fördert interkulturelles Verständnis und erweitert den geistigen Horizont. Als Grundlage für dieses Verständnis ist Latein als schulisches Fach nach wie vor von großer Bedeutung. Latein vermittelt ein tiefes Verständnis für Sprachstrukturen, Wortherkunft und logisches Denken und bildet damit eine solide Basis für das Erlernen weiterer Sprachen sowie für analytische Fähigkeiten insgesamt.

Darüber hinaus sollte Schule ein Ort sein, an dem sich alle Schulpartner:innen wohlfühlen. Lernen und Arbeiten gelingen am besten in einer Umgebung, die Sicherheit, Wertschätzung und Motivation bietet. Dafür braucht es entsprechende bauliche und infrastrukturelle Maßnahmen: moderne Klassenräume, ausreichende Arbeitsplätze, zeitgemäße technische Ausstattung und Räume für Begegnung und Rückzug. Eine leistungsorientierte Schule und ein Wohlfühlort schließen einander nicht aus – im Gegenteil, sie bedingen sich gegenseitig.

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