20.01.2026

Dr. Ernst Tatzer

Facharzt für Kinder-und Jugendheilkunde, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapeut, ehem. Leiter des NÖ Heilpädagogischen Zentrum Hinterbrühl 

Bildung und Gesundheit sind zwei Seiten der gleichen Medaille: 

  • Gelungene Bildung hebt Gesundheit (persönliches Wachstum, Normostress). 
  • Gesundheitsdefizite behindern Gelingen der Bildung und wirken sich so, wenn sie nicht kompensiert werden, massiv auf das weitere Leben der Betroffenen aus (Dauerstress, Selbstwertverlust, Außenseiterrolle, etc.). 
  • Viele Familien brauchen Unterstützung, um ihr Kind, wenn es einer Therapie bedarf, an die entsprechende Stelle zu bringen bzw. auch dabei die Anforderungen der Therapie durchzuhalten. In Kooperation mit dem Bildungssystem kann das Gesundheitssystem vieles beitragen, um den individuell möglichen Bildungserfolg sicherzustellen. Dies entlastet dann auch das oft sehr belastete Klassenklima und hilft so mit, eine bessere Bildungsatmosphäre zu schaffen.  

Derzeitige Situation: 

  • Viel zu wenig Kinder und Jugendliche erhalten die für ihre gesunde Entwicklung notwendigen Therapien, auch wenn die Notwendigkeit dafür erkannt wird. 
  • Bei vielen Kindern wird die Notwendigkeit aus sozialen Problemen nicht bzw. zu spät erkannt. 
  • Viel zu wenige Therapeut*innen haben einen Kassenvertrag. 
  • Viel zu wenige Unterstützungskräfte im Bildungssystem. 100 000 Kinder in Österreich bekommen nicht die Therapien, die sie für ihre gesunde Entwicklung benötigten. 

Folgeprobleme für Kinder, Jugendliche und ihre Familien und die gesamte Gesellschaft: 

  • Die Suche nach geeigneten kassenfinanzierten Therapieplätzen oder in spezialisierten Ambulatorien ist fast aussichtslos und unzumutbar. 
  • Kinder „fallen“ aus dem System. 
  • Sie erhalten viel zu spät oder überhaupt keine Therapie.  
  • Sie versäumen entscheidende Zeit. 
  • Sie können sich nicht entsprechend ihrem sonstigen Entwicklungspotential entwickeln und sind dadurch oft in ihrem Leben „am falschen Platz“. 
  • Wertvolle Humanressourcen gehen der Gesellschaft verloren. 

Aufgaben der Bildung hinsichtlich Gesundheit: 

  • Ermöglichung zur Unterrichtsbeteiligung und Unterstützung chronisch kranker Kinder. 
  • Screening von auffälligen Kindern: Hier fällt dem Kindergarten eine zentrale Bedeutung zu. 
  • Sorge tragen, dass Eltern bei der richtigen Stelle aktiv werden. 
  • Hilfe für die Eltern, die Behandlung durchzuhalten. 

Dies sprengt die alleinigen Möglichkeiten der Pädagogen. Um das erfüllen zu können, braucht es die Unterstützung weiterer Berufsgruppen: 

  • Kindergarten/Schoolnurse 
  • Sonderpädagogische Kindergärtner*innen 
  • Kindergarten/Schulsozialarbeiter*innen 
  • Psycholog*innen, Ärzt*innen  

Gemeinsame Verantwortung statt geteilter Verantwortung 

Um dies zu verwirklichen, braucht es 

  • ein neues Bewusstsein und Begegnung auf Augenhöhe. 
  • Wissen über die Arbeitsweise und Möglichkeiten des jeweils anderen. 
  • die nötigen personellen Ressourcen auf beiden Seiten. 
  • entsprechende Rahmenbedingungen, um Kooperation und Transparenz zwischen den Systemen zu ermöglichen. 

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