20.01.2026

Mag. Dr. Eckehard Quin

Vorsitzender der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst 

Österreichs Bildungssystem braucht dringend Reformen, die das gemeinsame Ziel haben, das Bildungswesen bis zum Jahr 2035 wieder zu der Stärke zu bringen, die es besessen hat, bevor ihm leider wenig reflektierte Reformen, eine planlose Migrationspolitik und ein rigoroser Sparkurs unübersehbar zugesetzt haben. Zu den Reformen, die ich Österreichs Bildungswesen wünsche, gehören  

  • der weitere Ausbau einer hochwertigen Elementarbildung. Ziel muss es sein, dass jedes Kind bis zum Schuleintritt tatsächlich schulreif ist, wovon Österreich weiter denn je entfernt ist. Immer mehr Kinder können ihre Schullaufbahn nur als außerordentliche Schüler:innen beginnen, weil ihnen die notwendige Kenntnis der Unterrichtssprache fehlt – in Wien sind es bereits über 40 Prozent.  
  • eine Migrations- und Integrationspolitik, die sich dessen bewusst ist, dass das Schulwesen mit der Erfüllung seiner ureigenen Aufgaben ausgelastet ist und nicht nach Belieben als Problemlöser gesellschaftlicher Fehlentwicklungen oder Wunderheiler wirken kann. Wer dem Schulwesen zusätzliche Aufgaben auflädt, muss für zusätzliche personelle, räumliche und finanzielle Ressourcen sorgen.  
  • eine Bildungspolitik, die dafür Sorge trägt, den Lehrermangel tatsächlich zu beheben, damit Unterricht von pädagogisch, didaktisch und fachspezifisch in vollem Umfang ausgebildeten Lehrer:innen erteilt wird. Österreichs Schulwesen ist davon weit entfernt, weil es am ausreichenden Interesse junger Menschen an diesem Beruf fehlt. Wenn Absolvent:innen höherer Schulen bei ihrer Studien- und Berufswahl einen Bogen um den Beruf machen, den sie in ihrer Schulzeit aus der Schülerperspektive über lange Zeit aus der Nähe kennengelernt haben, muss dies an der Attraktivität seiner Rahmenbedingungen liegen – vom Image des Berufs bis zur Bezahlung. Ziel muss es sein, dass die am besten geeigneten sich für diesen ebenso wichtigen wie anspruchsvollen Beruf entscheiden.  
  • Wertschätzung und bestmögliche Nutzung der Vielfalt der Wege, die es in ihm gibt. Dazu gehört auch eine bestmögliche Aufklärung junger Menschen über die breite Palette an Möglichkeiten und die bessere Steuerung an den Nahtstellen des Bildungswesens, um die individuellen Interessen und Begabungen junger Menschen mit der Vielfalt möglicher Wege bestmöglich in Einklang zu bringen. Die Absolvent:innen des österreichischen Bildungswesens gehörten noch vor 10 Jahren, gemessen an Jugendarbeitslosigkeit und NEET-Quote, zu den EU-weit erfolgreichsten. Von diesem Vorsprung ging infolge politischer Fehler und Versäumnisse, die teilweise bis zur Jahrtausendwende zurückreichen (z. B. durch die deutliche Reduzierung des Budgetanteils, der dem Schulwesen gewidmet wird), im Lauf des letzten Jahrzehnts leider ein Großteil verloren. Ich wünsche unserer Heimat, dass die vor uns liegenden zehn Jahre dafür genutzt werden, das Bildungswesen wieder zum starken Motor einer Gesellschaft werden zu lassen, die weiterhin zu den wohlhabendsten der Welt gehören will und gehört. 

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