20.01.2026
Carolin R.
Psychologie-Studentin
1. Systemische Steuerung
- Evidenzbasierte Governance ermöglichen: eine Entpolitisierung bildungspolitischer Entscheidungen ist entscheidend. Dies lässt sich fördern durch einen kleinen, unabhängigen wissenschaftlichen Beirat mit transparenter Ausschreibung, befristeten Amtszeiten und offengelegten Interessen, der das Ministerium beratend begleitet und die Umsetzung weniger, klar überprüfbarer Ziele (z.B. niedrige Fehlzeiten) unterstützt. Bei Abweichungen von seinen Empfehlungen stärkt eine kurze öffentliche Begründung im Wirkungsbericht Transparenz.
- Starke Evaluationskultur fördern: Neue Maßnahmen sollen in kleinen, präregistrierten Pilotvorhaben mit wenigen, klaren Zielgrößen (KPIs) schrittweise erprobt, extern und unabhängig evaluiert und erst bei nachgewiesener Wirkung ausgeweitet werden. Eine starke Evaluationskultur macht Fortschritt messbar und verhindert teure Fehlentwicklungen.
- Schulpsychologie: In Österreich gibt es derzeit nur rund 190 Schulpsycholog:innen im Bundesdienst (Planstellen). Nach der NASP-Empfehlung (NASP = National Association of School Psychologists (USA)) von 1:500 braucht Österreich bei 1.170.000 Schüler:innen etwa 2.350 Schulpsycholog:innen – also mehr als das Zwölffache. Ein stufenweiser Ausbau der Planstellen wird die psychische Versorgung von Schüler:innen verbessern, Lehrkräfte entlasten und langfristig auch volkswirtschaftlich positive Effekte entfalten (s. Heckman-Kurve).
2. Schulnahe Innovation & Professionalisierung
- Schüler:innenvertretung: Langfristig sollen die Landesschüler:innenvertretungen über ein planbares Budget und mehr Sichtbarkeit an Schulen verfügen, um ihre Arbeit weiter zu professionalisieren. Ergänzend dazu sollen regelmäßige Feedbackschleifen zwischen Schüler:innen, Lehrkräften, Schulpsychologie und Verwaltung helfen, Probleme zu erkennen – denn Schüler:innen verfügen über wertvolle Einblicke und Ideen, deren Potenzial bislang wenig genutzt wird.
- Lehramtsreform: Mentoring durch erfahrene Lehrkräfte soll ein verbindlicher Bestandteil des Berufseinstiegs werden, um junge Lehrkräfte praxisnah zu unterstützen und ihre professionelle Sicherheit zu stärken. Im Gegenzug sollen junge Kolleg:innen im Rahmen eines systematischen Austauschs älteren Lehrkräften Einblicke in die Lebenswelt und Kommunikationsformen jüngerer Generationen, etwa im Umgang mit Social Media, vermitteln.
- Eignung & Personalentwicklung: In der STEOP sollen verpflichtende Reflexionsmodule verankert werden, die Studierende früh mit der Realität des Lehrer:innenberufs konfrontieren und so Fehlpassungen vorbeugen. Für Lehrkräfte mit wiederholten Schwierigkeiten wird ein zweistufiges Verfahren aus gezielter Nachschulung und, falls erforderlich, Umschulung über das AMS empfohlen.
3. Vision:
- Bildungspolitik braucht eine langfristige, von allen Stakeholdern geteilte Zielperspektive – für stabilen Fortschritt.
Mein Dank gilt den Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis für ihre wertvollen Beiträge und Impulse.