20.01.2026
Mag. Bernhard Ruf
Mitglied des österreichischen Bundesrats, Professor für Deutsch und Latein und Bürgermeister von Bad Hall
Im Zuge der aktuellen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen braucht das österreichische Bildungssystem eine tiefgreifende Reform. Ziel muss es sein, Schulen zukunftsfit zu machen und Schülerinnen und Schüler bestmöglich auf Studium, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe vorzubereiten. Vier zentrale Reformansätze können dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.
Erstens sollte insbesondere in der modularen Oberstufe das sogenannte Funktionsraumprinzip konsequent umgesetzt werden. Nicht die Lehrerinnen und Lehrer sollten zwischen Klassen wechseln, sondern die Schülerinnen und Schüler zwischen fachlich ausgestatteten Räumen. Physik, Chemie, Informatik und auch Sprachen benötigen jeweils spezifische Lernumgebungen und technische Ausstattung. Wenn Lehrkräfte in „ihren“ Räumen unterrichten, erhöht das die Unterrichtsqualität, reduziert organisatorische Reibungsverluste und ermöglicht einen effizienteren Einsatz von Materialien und digitalen Medien. Gleichzeitig fördert dieses Modell selbstständiges Lernen und strukturiertes Zeitmanagement bei den Lernenden.
Zweitens sollte die Verantwortung für Bau, Renovierung und Infrastrukturinvestitionen bei allen Schularten ausschließlich bei den Bundesländern liegen. Die derzeitige Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Gemeinden führt häufig zu Verzögerungen, Ineffizienz und unklarer Verantwortlichkeit. Eine klare Kompetenzzuordnung würde Planungsprozesse beschleunigen, Kosten transparenter machen und eine einheitlichere Qualität der Schulgebäude ermöglichen. Bildung ist eine öffentliche Kernaufgabe, und moderne Infrastruktur ist eine zentrale Voraussetzung für zeitgemäßen Unterricht.
Drittens muss Englisch als Lingua franca stärker im österreichischen Schulsystem verankert werden. In einer globalisierten Welt ist Englisch Schlüsselkompetenz für internationale Mobilität, Wissenschaft, Wirtschaft und digitale Kommunikation. Neben einem früheren Beginn sollte der Fokus stärker auf praktischer Anwendung, fächerübergreifendem Unterricht und englischsprachigen Modulen liegen. So wird Englisch nicht nur Unterrichtsgegenstand, sondern selbstverständliches Arbeitsmittel.
Viertens sollte digitale Bildung konsequent an den Anforderungen der Wirtschaft ausgerichtet werden. Neben grundlegenden IT-Kenntnissen braucht es Kompetenzen in Bereichen wie Datenanalyse, Programmierung, digitale Kollaboration und Medienkompetenz. Schulen müssen Schülerinnen und Schüler befähigen, digitale Werkzeuge produktiv, kritisch und verantwortungsvoll einzusetzen. Eine enge Abstimmung mit Wirtschaft und Arbeitsmarkt stellt sicher, dass digitale Bildung praxisnah und zukunftsrelevant bleibt.
Diese Reformen würden das österreichische Bildungssystem effizienter, moderner und international wettbewerbsfähiger machen.