20.01.2026
KommR. Univ.-Prof. Mag. Dr. Andreas Schnider, BR a.D.
Vorsitzender des Qualitätssicherungsrates für die Pädagoginnen- und Pädagogenbildung
In einer divers gewordenen und immer noch vielfältiger werdenden Welt mit ihren unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Sprachen bedarf es einer noch vertiefteren und intensivierten Haltung der Inklusion – und erst recht hinsichtlich unseres Schul- und Bildungssystems. Denn zwischen den Kulturen und Kontinenten gibt es in einer globalisierten Welt erfreulicherweise auch mehr Austausch. Ein Austausch, der uns das Fremde und Andere neu sehen und bewerten lässt. Eine sehr wichtige Kompetenz eines Bildungssystems.
Inklusion: Daher sollte das Schulsystem in Österreich so einer Haltung der Inklusion noch mehr entsprechen. Denn in erster Linie geht es im Bereich der Inklusion um das Abbauen von Barrieren zwischen Sprachen, Kulturen, Religionen usw. Eine Schule, die diesen Ansprüchen genügen möchte, muss daher in erster Linie ein möglichst langes gemeinsames Lernen der Schüler*innen ermöglichen und dafür gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen. Denn es geht schließlich um eine Schule des Miteinander, in der junge Menschen in eine diverse Gesellschaft als vollwertige Bürger*innen – gleichgültig woher sie kommen und was sie mitbringen – hineinwachsen können. Daher sollten wir uns vor einer Schule des gemeinsamen Lernens und Lebens zwischen dem 1. und dem 9. Schuljahr im österreichischen Schulsystem nicht verwehren und sollten uns öffnen für Neues, das nicht Barrieren schafft, sondern Barrieren möglichst abbaut und somit ein größeres Ganzes vor Augen hat. Und solche Barrieren gibt es derzeit noch viele, die früh in einer inklusiven Schule zwischen dem 7. bis 15. Lebensjahr abgemildert oder sogar abgebaut werden könnten: Sprache, Kultur, Religion, sexuelle Orientierung, soziale Herkunft, Begabungen, psychische und physische Beeinträchtigungen usw.
Bereicherung: Daher benötigt es für so ein inklusives Bildungssystem auch ein Personal an Schulen, das möglichst viele Kompetenzen abdeckt und in den Schulalltag einbringt. Es braucht multiprofessionelle Teams. Lehrer*innen spielen in diesen Teams natürlich weiterhin eine bedeutsame Rolle. Doch viele Kompetenzen, die z.B. in psychologischen, psychosozialen Feldern oder im Blick auf schulische Sozialarbeit abzudecken sind, können nicht auch noch von Lehrer*innen erbracht und geleistet werden. Daher wäre ein neues Dienstrecht zu überlegen, dass nicht nur ein Dienstrecht für Lehrer*innen sondern auch ein Dienstrecht ist, das offen ist für andere Berufsgruppen und somit weitere bedeutsame Kompetenzen im Arbeitsfeld einer Schule zulässt.
Ein 1. Schritt war der Quereinstieg, der seit 2022 auch für die Sekundarstufe Allgemeinbildung möglich ist. Die durch die Quereinsteiger*innen eingebrachten Kompetenzen sind eine Bereicherung. Dieser Einstieg sollte aber in manchen Bereichen in seiner Augenhöhe mit der Profession der Lehrer*innen verstärkt werden – z.B. hinsichtlich der autonomen und gleichgestellten Auswahl zwischen Lehramtsabgänger*innen und Quereinsteiger*innen durch die Direktion der Schule.