20.01.2026
Dr. Andreas Salcher
Unternehmensberater, Buchautor, Mitbegründer der „Sir Karl Popper Schule“
Damit Österreich eine führende Bildungsnation wird, sind folgende Maßnahmen notwendig.
1) Die besten Kindergärten und Volksschulen schaffen. Die Elementarpädagogik muss eine der drei nationalen Top-Prioritäten werden. Wenn wir einen nationalen Konsens darüber erreichen, die besten Kindergärten und Volksschulen zu schaffen, so hätten wir mit ziemlicher Sicherheit in zehn Jahren eines der besten Schulsysteme der Welt. Es gibt keine andere Maßnahme, die mit einem vergleichsweise geringen Aufwand einen derart positiven Effekt auf unser Bildungssystem hätte. Kanada zahlt seine Elementarpädagoginnen so gut wie seine Oberstufenlehrer. Genau das sollten wir auch tun.
2) Wir brauchen flächendeckend echte Ganztagsschulen. Die exklusiven internationalen Schulen in Österreich, wie etwa die American International School, die Vienna International School, dieDanubeInternational School und die St. Gilgen International School, sind alle Ganztagsschulen, ebenso viele Privatschulen. Noch viel wichtiger ist die Ganztagsschule für Kinder aus bildungsfernen Schichten, deren Eltern mit ihnen nicht am Nachmittag lernen können.
Die Vorteile sind eindeutig: Die Zeiteinteilung zwischen Lernbüros, Lehrvortrag, echtem Projektunterricht, Sport, Reisen und Exkursionen, selbstbestimmtem Lernen sowie Erholungs-, Essens- und Reflexionszeiten wird vom Lehrkräfteteam in Absprache mit der Schulleitung autonom festgelegt. Dadurch wird das individuelle Eingehen auf jede Schülerin und jeden Schüler strukturell überhaupt erst möglich. Die Hausaufgaben fallen zum Großteil weg und für Lernende, Lehrkräfte und Eltern endet die Schule im Normalfall um 16 Uhr. Abseits der politisch polarisierenden Diskussion zum Thema Ganztagsschule zeigt sich bei nüchterner Betrachtung, dass viele pädagogische Arbeitsformen und Methoden innovativer Schulen erst durch einen massiven Ausbau der ganztägigen Schulformen realisierbar wären.
3) Die gleichrangige Förderung von sozialen und kognitiven Kompetenzen. Im Gegensatz zum Intelligenzquotienten (IQ), der sich nur wenig steigern lässt, können wir unsere sozialen Kompetenzen wesentlich verbessern. Eine Vielzahl von aktuellen Studien beweist, dass der Grad der individuellen Selbstdisziplin kein Schicksal ist, sondern sich im Laufe des Lebens wie ein Muskel trainieren lässt.
Die systematische Förderung von sozialen und kommunikativen Kompetenzen in der Schule wäre eine der sinnvollsten Aufgaben. Wie das geht? Die Einführung des Maturagegenstandes »Kommunikation und Sozialkompetenz«, von den Schülern liebevoll »KoSo« genannt, war ein zentrales Element für den Erfolg der Sir Karl Popper Schule. Genauso wichtig wie die Vermittlung der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen sowie einer umfassenden Allgemeinbildung wäre es auch, die sportlichen, künstlerischen und sozialen Talente in Zukunft regelmäßig systematisch zu erfassen und ständig weiterzuentwickeln. Das erste Land der Welt, das dies schafft, wird das beste Schulsystem der Zukunft kreieren.