20.01.2026
HR Mag. Andrea Pinz
Leiterin des Amtes für Schule und Bildung, Erzdiözese Wien
Vom pädagogischen Feuer, das brennen muss
Reflexive Perspektiven einer Bildung der Zukunft
Ich wünsche mir ein Nachdenken über Bildung und nicht primär über Ausbildung. Ein ganzheitliches Bildungskonzept schließt den Erwerb von Wissen, Schlüsselqualifikationen und Kompetenzen ebenso ein wie die Aneignung von Grundhaltungen.
Es ist für die geistigen Werte offen und achtet die Würde der Person. Es führt zu selbständigem Denken, zur Übernahme von sozialer Verantwortung und zu demokratiepolitischem Engagement sowie zu Reflexion von ethischen und moralischen Werten. Eine humane Gesellschaft beruht insofern letztlich auf qualitätsvoller Bildung.
Kinder und Jugendliche sind nicht gleich, aber gleich-wertig. Kulturelle, ethnische, sprachliche und religiöse Vielfalt stellt einen gesellschaftlichen und bildungsrelevanten (Mehr-)Wert dar. Dafür bedarf es einer hohen Verantwortung, um in Gegenwart und Zukunft den sozialen Zusammenhang zu fördern und die Innovationskraft Europas zu stärken. Um Chancengerechtigkeit sicherzustellen, muss die Förderung aller vielfältigen Begabungen eine pädagogische Grundhaltung sein, die einen professionellen Umgang mit Leistungsheterogenität und unterschiedlichen Lernvoraussetzungen im Fokus hat. Die Curricula der PädagogInnenbildung sind dahingehend zu gestalten. Mehr Flexibilität in schulorganisatorischen Fragen kommen dem Anliegen entgegen.
Religiöse Bildung ist ein Grundrecht und damit unverzichtbarer Teil von Bildung. Der Religionsunterricht und das katholische Schulwesen fördern den Dialog der Religionen und Weltanschauungen, der die eigene Identität wahrt, Unterschiede ernst nimmt und das Gemeinsame in den Mittelpunkt stellt. Das ermöglicht eine Praxis des Miteinander und Voneinander Lernens in Schule und Gesellschaft und schafft eine Kultur der Anerkennung. Bildung zielt darauf ab, Eigenes zu verstehen und von Fremdem zu unterscheiden sowie Eigenes und Fremdes miteinander in Beziehung zu setzen. Das stellt auch ein Signum eines demokratischen Staates dar.
Schule ist mehr als Unterricht, sie ist Lebens-, Lern- und Arbeitsraum, in dem Anwendungswissen, Orientierungswissen, Lebenswissen erworben wird. Dies bedarf der Berücksichtigung in der Frage der Ressourcen. Schule lebt aus dem Zusammenwirken der entscheidenden gesellschaftlichen Kräfte. Autonomie ist dabei ein zentraler Begriff der standortspezifischen Qualitätssicherung, der jedoch im Kontext eines verantwortungsvollen Umganges mit dem Subsidiaritätsprinzip steht.
Leistung ist ein unverzichtbarer Begriff im Bildungsprozess, der positiv besetzt sein muss. Erreichte Leistungen beinhalten ein großes Motivationspotenzial, nicht alles ist jedoch im Sinne einer konkreten Leistung messbar.
Pädagoginnen und Pädagogen verdienen für ihre Arbeit höchste Anerkennung und bestmögliche Unterstützung durch Gesellschaft, Politik und öffentliche Meinung. Dies schließt die Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen Fort- und Weiterbildung ein.