20.01.2026

Alexandra-Maria Peter B.Ed.

Sonderpädagogin und Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche

Zur Notwendigkeit einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen Bildungs- und Gesundheitsbereich im Bereich der Heilstättenklassen/-schulen, insbesondere des kinder- und jugendpsychiatrischen Bereichs  

1. Ausgangslage  

Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen erhalten in Heilstättenklassen Unterricht während ihres – oft monatelangen – stationären Aufenthalts in klinischen Einrichtungen, vor allem in jenen der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die HeilstättenlehrerInnen leisten dabei einen entscheidenden Beitrag zur schulischen und sozialen Stabilisierung der Kinder und Jugendlichen während ihres Klinikaufenthalts. Ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs der Arbeit in diesen Heilstättenklassen ist die enge Kooperation mit den Fachkräften aus dem Gesundheitsbereich. Dazu zählen ÄrztInnen PsychologInnen, Pflegekräfte, SozialarbeiterInnen sowie TherapeutInnen. Diese Zusammenarbeit ist entscheidend, um eine ganzheitliche Betreuung zu gewährleisten und pädagogische Ziele und Maßnahmen mit therapeutischen und sozialen abzustimmen. Darüber hinaus ist es von zentraler Bedeutung, dass Übergänge – insbesondere bei der Rückführung der Kinder und Jugendlichen in ihre Herkunftsschulen nach einem stationären Aufenthalt – gut begleitet werden. 

2. Aktuelle Herausforderungen  

In den letzten Jahren ist eine deutliche Zunahme psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen festzustellen. Waren es im Schuljahr 2010/11 noch 4% der PflichtschülerInnen, bei denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt wurde, so stieg dieser Wert laut Statistik Austria im Schuljahr 2022/2023 auf 5,1%, wobei ein wesentlich höherer Wert als Dunkelziffer vermutet wird (vgl. Studie des BMUWF, Evaluierung der Vergabepraxis des sonderpädagogischen Förderbedarfs (SPF) in Österreich, Endbericht 2023). Damit steigt auch der Bedarf an Heilstättenklassen und an qualifizierten Lehrpersonen, die in diesem sensiblen Bereich tätig sind.  

3. Notwendigkeit einer strukturellen Weiterentwicklung  

Um die Qualität der Betreuung und die nachhaltige Wiedereingliederung der Kinder und Jugendlichen in den schulischen Alltag in Zukunft sicherzustellen bzw. zu verbessern, ist eine strukturelle Weiterentwicklung der Heilstättenpädagogik dringend erforderlich. Empfohlen werden folgende Maßnahmen: 1. Stärkung der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Bildungs- und Gesundheitsbereich. 2. Qualitäts- und Kompetenzentwicklung durch spezifische Aus- und Weiterbildungsangebote für Heilstättenlehrkräfte, durchaus gemeinsam mit den Fachkräften des Gesundheitsbereichs. 3. Einrichtung einer zentralen Schulleitung für Heilstättenklassen/-schulen mit entsprechender Qualifikation. 4. Datenbasierte Planung und Bedarfsanalyse zur besseren Ressourcensteuerung. 

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