20.01.2026

Dr. Alexander Übelacker LL.B.oec. M.Sc.

Jurist

 Bildung muss wieder in ihrer gesamten Breite verstanden werden. Ein zukunftsfittes Bildungssystem hat anzuerkennen, dass individuelle Begabungen, unterschiedliche Lernbedürfnisse und vielfältige berufliche Lebensentwürfe gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Daraus folgt, dass weder eine höhere Schule noch ein Studium als allgemeiner Königsweg gelten kann. Vielmehr braucht es eine Gleichwertigkeit der Bildungswege, nicht eine Gleichartigkeit. 

Höhere Schulen und Universitäten sollen notwendige theoretische Fundamente, abstraktes Denken, wissenschaftliche Methoden und langfristige Orientierungs- und Analysekompetenzen vermitteln. Diese Bildungswege erfüllen damit eine zentrale Funktion für jene Berufsgruppen, deren Tätigkeit auf vertiefte theoretische Kenntnisse angewiesen ist. Die rezent häufig gestellte und als Kritik gemeinte Frage „Wofür brauche ich das später?“ verkennt den Bildungsauftrag dieser Institutionen: Grundlagenwissen schafft erst die Fähigkeit, Neues zu verstehen, Innovationen hervorzubringen und komplexe Problemstellungen zu bewältigen. Grundlagen sind Investitionen – nicht kurzfristige Werkzeuge. 

Gleichzeitig dürfen Bildungswege, die unmittelbar in berufliche Handlungsfähigkeit führen, nicht als nachrangig betrachtet werden. Die Lehre bietet jungen Menschen eine hochgradig praxisorientierte Qualifikation und ermöglicht den frühen Erwerb von Berufskompetenz. Angesichts eines strukturellen Fachkräftemangels kommt der Lehre eine strategische Bedeutung zu, die vielfach unterschätzt und nicht ausreichend wertgeschätzt wird. Eine zeitgemäße Bildungspolitik muss daher die gesellschaftliche Aufwertung der Lehre und anderer berufsbildender Wege prioritär vorantreiben. 

Für ein zukunftsfähiges Bildungssystem braucht es das Anerkennen der Komplementarität von theoretisch-akademischer und praxisorientierter Bildung. Gleichwertigkeit setzt voraus, dass alle Berufswege gesellschaftlich anerkannt und in ihrer spezifischen Bedeutung wertgeschätzt werden. Ein verbindendes Element dieser Bildungsbereiche hat der gemeinsame Fokus auf Leistung und verantwortungsvolle Kompetenzentwicklung zu sein. Bildungspolitik 2035 muss daher Rahmenbedingungen schaffen, in denen Lernende ihre individuellen Potenziale entfalten und wahrnehmen, dass sie durch Engagement und Leistungsbereitschaft wirksam zur Weiterentwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft beitragen können – unabhängig davon, ob dies in der akademischen oder der berufspraktischen Sphäre geschieht. 

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